Leserbrief

Krampuslauf ist kein Tourismus-Event

Hiermit möchte ich gerne meine Gedanken zum SN-Artikel "Böller explodierte in der Hand" vom Montag, 3. Dezember 2018 Luft verschaffen.

Zunächst einmal wünsche ich dem verletzten Krampus alles, alles Gute und hoffe es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Aber was haben Bengalen und Fackeln überhaupt bei einer Brauchtumsveranstaltung zu suchen? Ich finde gar nichts. Es muss endlich (da gab es schon zahlreiche Artikel in mehreren Medien) zwischen Krampuslauf und Perchtenlauf unterschieden werden. Der Krampus ist der Begleiter des Heiligen Nikolaus und tritt somit rund um den 6. Dezember auf. Das, meiner Meinung nach, Allerwichtigste, aber leider offenbar meist schon Vergessene, bei diesem Brauch sind die Kinder! Die Braven bekommen Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten vom Nikolaus und die Schlimmen bestraft (natürlich keineswegs aggressiv) der Krampus. Am Besten kommt dies natürlich beim Haus zu Haus gehen hervor, wo die Kinder schon auf den Nikolaus bei sich zu Hause warten und nicht bei einer Massenveranstaltung wo die Show den eigentlichen Sinn in den Hintergrund drängt.
Die Perchten treten in den Rauhnächten auf, also meines Wissens ab der Thomasnacht bis zum Dreikönigstag, und vertreiben die bösen Geister dieser Nächte.
Hier haben aber Bengalen und sonstige Show-Effekte noch weniger verloren. Aber wie in vielen Bereichen ist es halt leider auch bei diesen schönen Bräuchen so, dass es um Show, Action, Spannung usw. und eben nicht um den eigentlichen Sinn geht.
Ich bezweifle sehr stark, dass die Mitwirkenden sich mit diesen Themen beschäftigen bzw. selbst den tatsächlichen Brauch gar nicht kennen. Somit bleibt uns vielerorts halt leider die "Krampus-Grusel-Show" anstelle vom Haus zu Haus gehen (und ja ich meine gehen und nicht fahren).

Wer sich jetzt denkt, da kommt wieder einer aus Gastein und will uns alle belehren und uns sagen nur im Gasteinertal ist der Brauch so toll ... Naja, das von Haus zu Haus gehen (ohne Zeitplan und ohne "Bestellung"), das Rempeln der Passen, der individuelle Weg jeder Pass, ohne Absperrungen oder gar Showeffekte usw. - das ist schon einzigartig und eben, in dieser Form, ein wunderschöner Brauch, sowohl für die Erwachsenen und in erster Linie natürlich auch für die Kinder. Aber, ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir Gasteiner (und ich meine alle) nicht aufpassen kommen all diese Dinge (Zeitplan, Bengalen, Absperrungen usw.) schneller als wir glauben. Wir haben ja auch schon seit 10. (!) November 2018 Krampuskränzchen. Dies hat absolut nichts mehr mit dem Brauch zu tun, auf den wir so stolz sein können. Ich wünsche am 5. und 6. Dezember allen Gasteiner Passen "A guads Geh. Treu in guadn oidn Brauch" und allen weiteren Veranstaltungen einen problemlosen Ablauf, hoffentlich alles ohne weiteren Verletzungen, das ist das Wichtigste.
Zum Abschluss möchte ich noch zusammenfassend sagen: der Krampus und auch der Perchtenbrauch sind uralte, wunderschöne Bräuche für die Menschen in der jeweiligen Region bzw. im jeweiligen Ort und kein Tourismus-Event oder dergleichen. Natürlich ist es schön, wenn auch Gäste an den Veranstaltungen zusehen, aber im Vordergrund sollte es um die Einheimischen und da vor allem um die Kinder gehen.


Alexander Sethaler, 5630 Bad Hofgastein

Aufgerufen am 26.11.2020 um 01:33 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/krampuslauf-ist-kein-tourismus-event-62056867

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