Leserbrief

Kritik an "Vögel" nicht berechtigt

Seit Mitte Februar steht am Schauspielhaus Salzburg "Vögel" des libanesischen Autors Wajdi Mouawad auf dem Programm. Anders als in Berichterstattungen erlebt man in diesem Stück den israelisch-palästinensischen Konflikt von innen, hautnah am Beispiel einer Familie. Und wie in guter Literatur kann man sich in die Gefühlslage der Personen versetzen, bekommt Einblick in beide Sichtweisen des Dauerkonfliktes und versteht daher deren Handeln (etwas) besser. Schließlich verspürt man selbst die Hoffnungs- und Ausweglosigkeit der Situation und verlässt betroffen das Gebäude.
Nur gutes Theater kann so ein Gefühl bewirken: die Regieführung stringent, eine schlüssige Umsetzung mit wenigen Mitteln, der Spannungsbogen bleibt bis zum Ende erhalten. Die Leistung der Schauspieler/-innen in ihrer klaren Haltung beeindruckend, hervorragend die beiden jungen Liebenden.
Die harte und negative Kritik in den "Salzburger Nachrichten" (17.2.) ist meiner Meinung nach ungerecht und nicht nachvollziehbar, wird das Haus aber empfindlich getroffen haben, was man an der niedrigen Besucherzahl sehen konnte. Beinahe hätte ich mich aufgrund der Rezension abhalten lassen, das Stück zu sehen. Der Vorwurf zu konstruiert greift nicht, auch Lessings "Nathan" ist konstruiert, um seine Idee der Toleranz zeigen zu können, und Theater ist schließlich Kunst und kein Fernsehspiel.

Mag. Ulrike Hafner-Fleischer, 5020 Salzburg

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