Leserbrief

Kürzung der Religionsstunden

Als Mutter eines getauften Volksschulkindes habe ich fassungslos am 21. 9. 2019 über die Kürzung der Religionsstunden gelesen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Intoleranz anderen Menschen gegenüber immer stärker in den Vordergrund rückt, braucht es in unserem Bildungssystem Unterrichtsstunden, die soziale Bildung vermitteln. Religionsunterricht bedeutet heute weit mehr als nur die Vermittlung von religiösen Prinzipien und Erzählungen - er vermittelt gesellschaftliche Werte, soziale Einstellungen und ethische Normen, um nur ein paar Beispiele zu nennen, und schließt Diskriminierung und Ausgrenzung aus seinem Handlungsgut aus.

Und was macht die Politik? Sie diskriminiert Kinder ohne Taufschein und macht sie für eine Entscheidung verantwortlich, die deren Eltern getroffen haben. Sie vermittelt diesen Eltern, dass ihre Kinder nichts wert sind, da sie für eine Gruppenbildung in Religion nicht mitgezählt werden dürfen. Somit bleiben diese wertvollen kleinen Persönlichkeiten unsichtbar und helfen dem Bildungssystem, den Sparkurs fortzusetzen. Und noch weitergedacht wird damit auch den Religionslehrerinnen und -lehrern in unseren Schulen vermittelt, dass ihre, für unsere Gesellschaft, höchst bedeutungsvolle Arbeit nichts wert ist. Wo führt das hin, wenn bereits in der Schule Diskriminierung Einzug hält und das Recht auf Bildung nicht allen Kindern zusteht?

Aus meiner Sicht sollten jene Unterrichtsstunden gefördert werden, die soziales Lernen unterstützen und somit zu einer besseren gesellschaftlichen Zukunft beitragen können.

Mag. Dr. Petra Rittsteiger, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 02.12.2020 um 05:42 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/kuerzung-der-religionsstunden-77001280

Kommentare

Schlagzeilen