Leserbrief

Kurz muss weg. Oder muss Kickl weg?

Bundeskanzlerin Merkel hatte recht. Die Pandemie ist eine Zumutung. Keine wesentlich geringere Zumutung ist allerdings die Agitation der Oppositionsparteien im Zusammenhang mit der Pandemiebewältigung in Österreich, insbesondere jene der FPÖ und hier insbesondere von deren Klubchef Herbert Kickl. Offenkundig kann dieser den Machtverlust seiner Truppe nicht verkraften und trauert jener Zeit nach, als er als Autor dumpfer Sprüche auf allen Wahlplakaten der FPÖ ( "Islam statt daham", "Pummerin statt Muezzin" etc.) zumindest Aufmerksamkeit erregte. Dass er jetzt jede Entscheidung der Bundesregierung reflexartig mit vorbereiteten, beleidigenden und höhnischen Worthülsen kommentiert, könnte man ja noch als verzweifelten Versuch abtun, Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erheischen.
Auch dass seine Gefolgsleute (z. B. Belakowitsch - Gesundheitssprecherin der FPÖ (sic!)) in verantwortungsloser Weise und im Widerspruch zu allen namhaften Virologen vom Testen abraten und gegen einen Lockdown wettern, gleichzeitig aber das Freitesten und somit eine Lockerung aus opportunistischen Gründen verhindern, kann man mit Kopfschütteln noch irgendwie hinnehmen. Dass Kickl aber nunmehr nach seinen Hasstiraden im NS-Jargon (Rollkommando), nach dem lächerlichen und offenbar von der deutschen AfD abgekupferten Vorwurf der "Coronadiktatur" und nach einer angekündigten Petition gegen eine Impfpflicht, die es ohnehin nicht gibt, nunmehr einen Kampfauftrag unter dem Motto "Kurz muss weg" erteilt und zu Massenprotesten aufruft, ist nicht mehr hinnehmbar und auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Zwischenzeitlich kann man sehen, wozu solche verantwortungslosen Aufrufe von Politikern führen können (siehe Trump). Anstatt endlich in irgendeiner Weise konstruktiv zur Pandemiebekämpfung beizutragen, glaubt Kickl offenbar, mit dieser unglaublichen Verhaltensweise Wählerstimmen für sich lukrieren zu können. Die Mehrheit der Österreicher lehnt aber eine derartige, hasserfüllte Brachialrhetorik zweifellos ab.
"K... muss weg"- diese Forderung ist schon berechtigt, bezieht sich aber nicht auf Bundeskanzler Kurz.


Dr. Manfred Trentinaglia, 6370 Kitzbühel

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