Leserbrief

Lebensgefahr auf Radfahrstreifen

Wer in Österreich auf einem Radfahrstreifen unterwegs ist und sich dabei gegenüber den in gleicher Richtung fahrenden Kraftfahrzeugen in Sicherheit wähnt, der befindet sich in einem fatalen Irrtum. In der StVO 1960 liest man in § 2, Punkt 29 nämlich: "Nicht als Überholen gilt das Vorbeibewegen an einem auf einem Radfahrstreifen fahrenden Radfahrer." Daraus ist abzuleiten, dass der übliche seitliche Sicherheitsabstand beim Überholen, also entsprechend der Verkehrssicherheit und Fahrgeschwindigkeit, in diesem Fall nicht eingehalten werden muss.

Bewegt sich der Radfahrer also auf einer normalen Fahrbahn oder auch auf einem Mehrzweckstreifen, so darf er damit rechnen, dass überholende Fahrzeuge den durch die allgemeine Rechtsprechung bestätigten seitlichen Abstand von 1,50 m im Ortsgebiet einhalten. Nicht so auf dem Radfahrstreifen! Dort ist man dem schneller fahrenden Verkehr insofern schutzlos ausgeliefert, als dieser einen seitlichen Abstand gar nicht einhalten muss. Erschwerend kommt noch hinzu, dass innerhalb der Breite von Radfahrstreifen häufig Kanaldeckel oder Einlaufgitter angeordnet sind, die den Radfahrer auf Grund ihres abgesenkten Niveaus zwingen, seine Fahrlinie an den fahrbahnseitigen Rand des Radfahrstreifens zu verlegen. Er ragt dann mit seiner Kontur sogar in den benachbarten Fahrstreifen hinein.

Lebensgefährlich wird es, wenn es sich beim vorbeifahrenden Fahrzeug um einen Lkw oder Omnibus handelt, was dann auch noch eine Schwankung des Luftdrucks verursacht, die den Radfahrer mehrmals aus seiner angestrebten Fahrlinie drückt. In vielen europäischen Staaten - und seit kurzem auch in Deutschland - ist beim Überholen von Radfahrern ein seitlicher Abstand von 1,50 m im Ortsgebiet und von 2,00 m auf Freilandstraßen einzuhalten. Dieser Abstand muss unbedingt auch für das Vorbeibewegen von Fahrzeugen an Radfahrern auf Radfahrstreifen gelten. Hier besteht in Österreich dringender Handlungsbedarf beim zuständigen Ministerium.


Dr. Theodor Stipek, 5026 Salzburg

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