Leserbrief

Legasthenie und Dyskalkulie

In Ihrer Beilage "Journal Bildung" (SN-Beilage, 8.2.) wird von LOS auf die Rechtschreibschwäche als Erwachsener eingegangen.
Als Berufsverband Akademischer Legasthenie- und Dyskalkulietherapeut/-innen möchten wir auf Ihren Beitrag eingehen und einige Mythen entkräften.
Die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Bearbeiten von Zahlen und Datenbanken, die in der Fallgeschichte geschildert werden, gehören nicht der Symptomatik einer Lese-/Rechtschreibschwäche (kurz: LRS) an - die Verarbeitung von Zahlen ist nicht genuin Problem bei LRS. Darüber hinaus wird Legasthenie als Leseschwäche übersetzt bzw. dargestellt.
Tatsächlich ist die Zahl der Menschen mit isolierten Schwierigkeiten im (Recht-)Schreiben etwa gleich hoch wie jene, die nur im Lesen oder in beiden Modalitäten Probleme haben. Legasthenie einzig als Leseschwäche zu spezifizieren, greift zu kurz. Eine kausale Behandlung der LRS ist weder im Kindes- noch im Erwachsenenalter im Sinn einer "Behebung" möglich, wenngleich die Betroffenen durch professionelle und symptomorientierte Hilfen Strategien zum Umgang erlernen können. Ein "Auswachsen" ist nicht zu erwarten!
Für Menschen mit Verdacht auf LRS sei darauf hingewiesen, dass sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Diagnoseleitlinie ICD als auch die deutschsprachige Leitlinie zu LRS (S3-Leitlinie der AWMF) für eine Abklärung ein ausführliches Anamnese- und Explorationsgespräch zusätzlich zu standardisierten Lese- und Rechtschreibtests sowie eine Ausschlussdiagnose von Intelligenzeinschränkungen oder medizinischen/neurologischen Defiziten voraussetzt! Für diese Abklärung und multidisziplinäre Vernetzung ist eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung und eine Vernetzung mit Medizin und Logopädie erforderlich, um neurobiologische, kognitive und Umwelteinflüsse sinnvoll einordnen und abgrenzen zu können.

Obfrau Mag. Veronika Kerschbaumer, Im Namen des BALDT Vorstandes, 5020 Salzburg

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