Leserbrief

Lehrer als Vorbild, Wissensvermittler und Respektperson

Zum Artikel "Lehrer lässt sich von der Behörde nicht zum Schweigen bringen" in den SN vom 25. 1. 19:


Ich möchte eine Lanze für die Lehrer/-innen brechen. Für jene, die es sich zum Ziel gesetzt haben, unserer Jugend Wissen zu vermitteln und ihr damit das Tor zu Erfolg und Zukunftschancen zu öffnen. Gehen allerdings muss immer noch der Lernende, nicht der Lehrende - alles andere geht doch am Sinn der Sache vorbei.
Wenn ich lese, dass Lehrer/-innen bevormundet werden, indem Eltern sich über (noch dazu nicht schlechte) Noten aufregen und dann die Note, die der Lehrer vergeben hat (und das sicher nicht ohne Grund) von der vorgesetzten Dienststelle noch oben korrigiert wird, weil eine Beurteilung - laut Verordnung - nicht zu schlecht ausfallen darf ... (da frage ich mich auch, was an einem "Gut" schlecht sein soll), dann beißt sich meiner Meinung nach hier die Katze in den Schwanz.
Ich habe 1968 maturiert. Mein Vater war Lehrer (nicht meiner!) und er war streng. Na und? Er hat auch nie mit mir gelernt. Er hat mir trotzdem geholfen - oder gerade deshalb. Er hat mich angespornt zu lernen. Spitze! Heutige Eltern wären auch gut beraten, sich ebenso zu verhalten.

Lieber Gesetzgeber, liebe Vorgesetzte der Lehrer, ich habe einen Vorschlag:
Stellt euch doch einmal einen Monat lang hin vor die Kinder und Jugendlichen. Seht, was Sache ist. Und erlasst bitte, bitte nicht immer mehr (Pardon: schwachsinnige) Verordnungen, sondern macht in unser aller Interesse praxisbezogen Nägel mit Köpfen. Sonst müssen wir unsere Lehrer in "Leerer" umbenennen, weil sie nicht mehr selbst entscheiden dürfen, sondern zu Vollzugsbeamten der Behörde verkommen.

Ich wünsche mir für meine jetzt dreijährigen Enkel Lehrer/-innen, die wie früher das sein dürfen, was sie sein sollten: nicht Verordnungsbefolger und Bürokramverwalter, sondern Vorbild, Erzieher, Wissensvermittler, Respektperson und Förderer. Die in diesem Sinne der Individualität, Kreativität und dem gesunden Menschenverstand Raum geben können und dürfen. Die auch Querdenker und Visionisten akzeptieren und nicht nur "Fachidioten" ausbilden.

Angelika Gerlach, 3003 Gablitz

Aufgerufen am 26.11.2020 um 08:10 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/lehrer-als-vorbild-wissensvermittler-und-respektperson-64984141

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