Leserbrief

Lehrermangel: Es braucht ganz etwas anderes als eine PR-Kampagne

Als pensionierte Deutsch-Geschichte-Lehrerin (Gymnasium und BHS) staune ich immer mehr über die "Pädagoginnenbildung neu". Schon das Wort klingt mehr nach einem Werbeslogan als nach einem seriösen Titel. Aber was ich inhaltlich von Studenten mitbekomme, lässt mich nur mehr den Kopf schütteln. Unkoordinierte Terminpläne, zu wenige Praktikumsplätze und Ratlosigkeit auf allen Seiten - das soll ein neues Konzept sein? Wenn man dann endlich den Bachelor in der Tasche hat und unterrichtet, ist man als Deutschlehrer mit Arbeit so richtig eingedeckt: Eine volle Lehrverpflichtung unterrichten, wobei man meist mehr Deutschstunden als die im Zweitfach bekommt, und nebenbei den Master machen - wie soll das funktionieren? Aus meiner eigenen Junglehrerzeit weiß ich noch zu gut, wie mich die 20 Stunden pro Woche in Atem und am Schreibtisch gehalten haben. Da sind eindeutig die Burnouts vorprogrammiert - oder die Junglehrerin sagt sich irgendwann einmal "was soll's" und macht aus reinem Selbstschutz Unterricht a la Buch. Gespannt bin ich, wie die Schüler und Schülerinnen dann die neue Reifeprüfung in Deutsch schaffen. Herr Hödlmoser hat Recht, eine PR-Kampagne wird nicht reichen, engagierte Studenten und Studentinnen für den (für mich immer noch schönen) Lehrberuf zu begeistern. Ich gehe einen Schritt weiter: Schaffen wir die PädagogInnenbildung neu ab und erfinden wir eine neue Ausbildung, an der nicht nur Theoretiker, sondern auch erfahrene Lehrer und Lehrerinnen mitarbeiten, die wissen, was man im Schulalltag wirklich braucht. Neben Fachwissen wären Methodik-Seminare besonders wichtig, in denen man verschiedene Methoden selbst ausprobiert. Fundiertes Wissen über Entwicklungspsychologie und Kommunikation könnten den Schulalltag entspannen. Und auch das Beurteilen z.B. von Texten sollte man schon als Student mehr üben, statt seine Zeit in Seminaren abzusitzen, in denen Studenten drittklassige Referate präsentieren. All diese Kompetenzen, müssen Junglehrer sich nach den vielen Semestern auf der Uni erst so "nebenbei" aneignen.
Eine PR-Kampagne allein wird am Lehrermangel nichts ändern!

Mag. Gabriela Braunsteiner, 3250 Wieselburg

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