Leserbrief

Lehrermangel - wen wundert es?

Plötzlich wird der Lehrermangel beklagt. Dabei war die derzeitige und künftige Lage leicht absehbar. Längeres Lehramtsstudium im Primär- und Sekundärschulbereich sowie starke Jahrgänge von Lehrern, die in Pension gehen, ergeben nun einmal eine Lücke. Dazu kommt, dass sich immer weniger Maturanten dazu entschließen, den Lehrberuf zu ergreifen.

Kernaufgabe des Pädagogen war und ist nach wie vor Schüler zu unterrichten, verkommt aber mehr und mehr zur scheinbaren Randaufgabe. Anstatt Schüler mit für das Leben notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten auszustatten, ist der Lehrer/die Lehrerin von heute für praktisch alles zuständig. Plakativ ausgedrückt von A bis Z, von Aggressionsbewältigung bis zur Zahnhygiene und natürlich alles, was dazwischen liegt. Dazu kommt eine Flut von administrativen Aufgaben. Alles wird dokumentiert, reflektiert und mit Schülern, Eltern, Kollegen und der Direktion besprochen und analysiert.

Zu guter Letzt steht der Lehrberuf gesellschaftlich sehr schlecht da. Nicht wenige Zeitgenossen sehen die Lehrer/-innen von heute als überbezahlte Freizeitkaiser, die den Schüler nicht einmal mehr lesen, schreiben und rechnen beibringen können. Bleibt nur noch die Frage, weshalb die Zahl der Studierenden für den Lehrberuf an PH und Universität zurückgehen.


Herbert Nill, 5671 Bruck

Aufgerufen am 04.12.2021 um 09:42 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/lehrermangel-wen-wundert-es-84655024

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