Leserbrief

Lerne fürs Leben - für's Arbeitsleben?

Die Herbstferien sind ein typisches Zeichen, wie bei uns Schul- und Bildungspolitik funktioniert - nämlich auf Zuruf der Wirtschaft. Um Pädagogik, um Bildung, um unsere Kinder geht es nicht. Sonst würde man nämlich die wahren Experten, die Lehrer/-innen, mit ins Boot holen.
Nicht nur Lehrer/-innen und Eltern haben im Vorfeld kritische Stimmen gegen die Herbstferien erhoben. Ich erinnere mich noch gut, wie beeindruckt ich von einem Leserinnenbrief in dieser Zeitung war, geschrieben von einer Oberstufenschülerin. Sie hatte darin ihre Befürchtungen geäußert, dass bis Weihnachten zu wenig Zeit bleibt und der ohnehin schon große Stress gerade in der Vorweihnachtszeit (noch alle Schularbeiten unterbringen) noch größer wird.
Corona hält uns nun auch hier den Spiegel vor - plötzlich sind die Herbstferien eine zusätzliche Belastung für die Eltern! (Das waren sie schon vor Corona, vor allem für die Eltern, die sich ohnehin keine großen Urlaube leisten können.), die Kinder verlieren wieder eine Woche, sie kommen aus dem Lern- und Arbeitsrhythmus ... Alles Argumente, die vor Einführung der Ferien auch zu hören waren. Doch damals meinte die Wirtschaft, bes. der Fremdenverkehr, davon zu profitieren, und da zählen dann andere Argumente bei bestimmten Parteien oder Regierenden nicht.
Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wer bei uns die Lehrpläne schreibt oder zumindestens mitschreibt, die Wirtschaft.
Von klassischer Bildung, von Menschenbildung haben wir uns verabschiedet. Es geht um Nutzen für die Arbeitswelt. Heute gilt Lerne fürs Leben - fürs Arbeitsleben!

Marianne Leeb, 2000 Stockerau

Aufgerufen am 30.11.2020 um 12:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/lerne-fuers-leben-fuer-s-arbeitsleben-94827454

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