Leserbrief

Logische Konsequenz der Streckenführung

Sehr geehrter Herr Kuntschik!
Als es noch Tagesrandverbindungen von Salzburg nach überallhin gab, haben Firmen noch Business-Tarife gezahlt, statt ihre Leute für Europa-Flüge in die Economyclass zu verbannen, und es gab keine 39-Euro-Tickets.
Dass das Angebot der Low-Cost-Carrier zu einer Konzentration des Markts auf profitable "Rennstrecken" und dem Rückzug aus der Fläche führt, hat sich schon lange abgezeichnet, kleinere Städte wie Mostar, Pécs oder Banja Luka haben das früher gespürt als größere. Im Zeitalter der Lowcoster kann sich keiner mehr leisten, Strecken zu fliegen, die vielleicht 50 Prozent load factor bringen, weil die Kunden nicht mehr gewillt sind, Preise zu bezahlen, die so einen load factor kostendeckend machen, weil sie dann doch lieber zwei Stunden woandershin fahren und dort billiger fliegen. Lowcoster fliegen nur dort, wo, und nur so lange, wie es was zu verdienen gibt. Netzwerk-Airlines können es sich aufgrund des durch Low-Cost-Angebote entstandenen Preisdrucks schlicht nicht mehr leisten, unprofitable Strecken als regionale Strukturförderung mit profitablen zu subventionieren. Wäre Tagesrand nach Paris, Zürich, London, usw. profitabel, würde es mit Sicherheit wer fliegen. Das gilt sinngemäß für Stadtbüros und Serviceschalter, die aber auch dem technischen Fortschritt zum Opfer gefallen sind. Wer würde heute noch in ein Stadtbüro pilgern, statt seine Tickets von zu Hause zu bestellen?

Siegfried Lenz, Flugkapitän, 1220 Wien

Aufgerufen am 22.01.2021 um 03:00 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/logische-konsequenz-der-streckenfuehrung-67092856

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