Leserbrief

Lohnabschluss im Sozialbereich

Mit Verwunderung und Enttäuschung habe ich das Ergebnis der Lohnverhandlungen zur Kenntnis genommen.

Mein Unverständnis gilt vor allem folgenden Tatsachen:

- Der Sozialbereich erhielt einen Lohnabschluss von 3,2 %, der erst nach zähen Verhandlungen und einem Warnstreik zu Stande kam. Den Beamten wurde ein Abschluss in derselben Höhe bereits in der ersten Verhandlungsrunde selbstverständlich zugestanden.
- Die Mineralölwirtschaft, die Energiewirtschaft, die Eisenbahner - alles Branchen, die besser bezahlt und auch sonst privilegiert sind - erhielten bessere Lohnabschlüsse (3,4 %).
- Die ohnehin schlechter verdienenden Handelsangestellten erhielten auch den schlechtesten Lohnabschluss (2,66 %).

Ich frage mich:
- Ist man bei den Interessensvertretungen nicht willens, endlich dagegen anzukämpfen, dass die Einkommensschere immer weiter auseinanderklafft?
- Sind unseren Regierenden die Angestellten im Sozialbereich weniger wert als die Angestellten bei der Bahn oder der Energiewirtschaft, die im Endeffekt auch vom Staat bzw. vom Steuerzahler bezahlt werden?
- Oder liegt es am Ende daran, dass gerade in der Sozialbranche hauptsächlich Frauen beschäftigt sind?
- Oder wissen die Verantwortlichen nur zu gut, dass sich ein Streik in dieser Branche quasi von selbst verbietet, da die Klienten und deren Angehörige die Leidtragenden wären?
(Moralische Erpressung?)


Marianne Reiter, 5121 Ostermiething

Aufgerufen am 30.10.2020 um 12:42 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/lohnabschluss-im-sozialbereich-66091660

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