Leserbrief

Mangelberuf im wahrsten Sinn

Wenn ich von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen wäre, hätte ich mir wie viele andere die Arbeit als Erntehelfer gut vorstellen können. Dies wäre eine ganz neue Erfahrung für mich, körperliche Arbeit an der frischen Luft, in einem anderen Bundesland, z. B. in Tirol oder Oberösterreich.
Nachdem ich einige Informationen eingeholt hatte, war mein Interesse allerdings weit unter null gesunken.
Der kollektivvertragliche Mindestlohn beträgt pro Stunde in Oberösterreich lächerliche 5,80 Euro und in Tirol 6,30 Euro! Für Kost und Logis werden nochmals 200 Euro abgezogen. Es gibt in vielen Betrieben keinen bezahlten Urlaub geschweige denn Sonderzahlungen. Für körperlich fitte Erntehelfer/-innen, welche in Weinbaugebieten auf gefährlichen Steilhängen arbeiten, werden hin und wieder elf Euro pro Stunde bezahlt, wurde mir gesagt.
Es wäre traurig für den Sozialstaat Österreich, wenn Erntehelfer/-innen kein Mangelberuf wäre und die Menschen unter solchen Bedingungen arbeiten müssten.

Werner Frank, 6912 Hörbranz

Aufgerufen am 18.09.2020 um 04:52 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/mangelberuf-im-wahrsten-sinn-86215411

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