Leserbrief

Matura nach Corona?

Corona macht uns reif, Überkommenes zu hinterfragen. Die kürzlich reformierte Matura macht das überdeutlich. Für einen schwachen Deutungsrahmen (Vergleichbarkeit) wurde der Aufwand für diese Veranstaltung drastisch erhöht. Wozu Verschwendung von Papierbergen, aufwendige Kommissionen, komplexe Verrechnungskalamitäten, wochenlang blockierte Schulleitungen und der ewige Kampf um Beurteilungsgerechtigkeit, die regelmäßig in der Diskussion um Mathematik gipfelt, wenn diverse Studienlehrgänge ohnehin ihre Eingangsprüfungen abhalten? Würde man die Instrumente für den Erwerb von Kompetenzen ernsthaft entwickeln statt der gängigen absurden Messbürokratie, müsste man auch die Matura als obsoletes Ritual anerkennen. Appell an die Bildungspolitik: Schafft endlich zentrale Bildungsplattformen mit freiem Zugang für alle Bürger und der Möglichkeit, dort sowohl basale Kompetenzen wie diversifizierte Zertifikate zu erwerben; nicht nur für den Schulbetrieb, nicht nur für die Universität, sondern für alle. Vieles an problematischer Bildungsdiskriminierung könnte strukturell aufgelöst werden. Die Menschen fänden für ihre Ziele individuelle Wege zur Erreichung fälliger Zertifikate. Schule könnte ein Ort entspannter Freude werden und völlig anders gestaltet sein. Wenn alle Bildungsinstitutionen an einem Strang ziehen, würden eingesparte Kosten für Qualitätsschübe bereit stehen.


Erhard Petzel, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 22.09.2020 um 04:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/matura-nach-corona-85721299

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