Leserbrief

Mehr Geld für die Kontrolle

Nach den zum Teil absurden Wortmeldungen vom Präsidenten (inklusive Verschwörungstheorien und Nichtkennen des Cheftrainers) und den Ausreden des für die Ausdauerdisziplinen verantwortlichen sportlichen Leiters des Österreichischen Skiverbandes sollte in Innsbruck und auch darüber hinaus der Blick auf Realität und Zukunft gerichtet werden. Der Langlauf als älteste Skidisziplin überhaupt darf nicht nur als Breitensport erhalten bleiben, er ist als Spitzensport zu führen (sonst kann man Biathlon und nordische Kombination auch gleich einstampfen) und muss vor allem besser und professioneller gemanagt werden. Man könnte jetzt auf viele Fehler der Vergangenheit hinweisen, aber hier sei nur eine Unzulänglichkeit erwähnt. Dem Jahresbericht der Nationalen Dopingagentur NADA für 2017 (2018 liegt noch nicht vor) ist zu entnehmen, dass im Langlauf nur 49 Dopingkontrollen (davon 20 auf Blut) durchgeführt wurden; allein diese Zahlen sagen aus, dass man das Thema des Sportbetrugs im ÖSV nicht ernst genommen hat. Der finanziell potenteste Sportverband des Landes darf sich auch nicht auf zu hohe Kosten ausreden. Das gilt freilich für den gesamten österreichischen Sport, auch hier wird die Dopingkontrolle stets mit dem Kostenfaktor in Einklang gebracht - ein absoluter Fehler. Die Bundessport GmbH, die für die Verteilung der gesamten Sportförderung in Höhe von 90 Millionen Euro jährlich zuständig ist, müsste zum Beispiel nur den überdimensionierten Beitrag für die drei (nicht mehr zeitgemäßen) Dachverbände von 25,5 Millionen Euro reduzieren und könnte so das NADA-Budget ordentlich auffetten. Es geht ja nicht nur um die Kontrollen im Spitzensport, sondern auch im Freizeitsport, den nach einer Erhebung der Statistik Austria hierzulande rund 1,6 Millionen Österreicher betreiben. Und hier weisen Sportmediziner gebetsmühlenartig hin, was sich z. B. im Marathonlauf und im Fitnesscenter abspielt. Vielleicht erinnert sich Sportminister H.C. Strache an seine Worte vom Februar 2018: "Der Sport in Österreich gehört endlich entpolitisiert." Und da meinte er die Dachverbände, denn dort wird nicht nur in den Breitensport investiert. Sport-Salzburg weiß, wovon die Rede ist, seinerzeit die ASKÖ mit ihrem "Sportbauernhof", jetzt der ASVÖ mit seiner Schlammschlacht der Führungskräfte.


Prof. Joachim Glaser, 5020 Salzburg

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