Leserbrief

Mehr Geld - nicht mehr Freizeit

Weit mehr als die Hälfte aller Kräfte in Pflegeberufen arbeitet Teilzeit. Die von der Gewerkschaft geforderte Arbeitszeitverkürzung würde bei einem Arbeitsverhältnis von z.B. 25 Wochenstunden rund zwei Stunden betragen. Wegen dieser wegfallenden zwei Stunden müssten die Arbeitgeber die gesamte Arbeitszeit-Struktur überdenken und nachbessern, wahrscheinlich Zusatzkräfte einstellen (falls man sie finden könnte!).

Teilzeit-Mitarbeiter/-innen andererseits haben ihre Teilzeit bewusst geplant: nach den Stundenplänen der Kinder, nach der Arbeitszeit des Ehepartners, nach den Fahrplänen der Öffis. Ob ihnen daher eine (geringe) Verkürzung der Arbeitszeit etwas bringt, ist fraglich - viel mehr würde ihnen eine Lohnerhöhung bringen! Und die müsste nicht in der indiskutablen Höhe von acht Prozent liegen, sondern wäre auch mit vier bis fünf Prozent eine willkommene Entschädigung für die aufwendige und strapaziöse Arbeitsleistung des Pflegepersonals.

Rendi-Wagners Parteigenossen hätten schon vor Jahren als Partner in einer rot-schwarzen Koalition sich nicht nur um Stahl-und Bauarbeiter oder Handelsangestellte kümmern müssen, sondern auch damals schon eine bessere gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe, sprich: eine adäquate Anpassung des Lohnes fordern und durchsetzen können.

Der Streik jetzt vergiftet die wachsende Anerkennung der Pflegekräfte, dient diesen Menschen nicht, sondern hat das klar zu durchschauende Motiv, der grün-türkisen Koalition Prügel vor die Beine zu werfen.

Horst-Sigbald Walter, 8700 Leoben

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