Leserbrief

Mehr Wertschätzung für Mitarbeiter der Krankenhäuser

Zum Artikel "Anzeige gegen infizierten Arzt: Staatsanwaltschaft ermittelt" vom 31. 3. 2020: Sehr geehrter Herr Widmayer, die Form der Berichterstattung über eine Anzeige gegen einen Anästhesisten der Salzburger Landeskliniken, der sich bei einem Skiurlaub in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert hat und mehrere Tage später symptomatisch wurde, hat in der Salzburger Ärzteschaft, meiner Meinung nach zu Recht, Entrüstung ausgelöst.

In Ihrem Artikel entsteht der Eindruck, als hätte die Staatsanwaltschaft gegen den Arzt "wegen fahrlässiger Gemeingefährdung" ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Da dieser Vorwurf offensichtlich unsinnig ist, wird von einer Ermittlung "gegen Unbekannt" gesprochen.

Ärzten, die ihren Dienst am Patienten versehen, ohne ihren eigenen Infektionsstatus während der Inkubationszeit zu kennen, mit Anzeigen zu überziehen, kann meines Erachten nur als Böswilligkeit gedeutet werden.

Richtig ist doch vielmehr, dass die Gesundheitsbehörden in Tirol trotz Kenntnis über mehrere dokumentierte Fälle von Covid-19-Infektionen in Ischgl nach politischen Interventionen erst viel zu spät die längst überfälligen Maßnahmen ergriffen und die Öffentlichkeit informiert haben.

Für die Mitarbeiter der Krankenhäuser, die zum Teil bis über die Belastungsgrenze beansprucht werden, würde ich mir in Zeiten einer Epidemie mehr Wertschätzung erwarten.

Wenn das Ermittlungsverfahren eingestellt wird, wovon mit Sicherheit auszugehen ist, werden Sie hoffentlich im Sinne einer ausgeglichenen Berichterstattung in einer vergleichbaren Ausführlichkeit berichten.

Prim. Dr. Michael Reschen, Vorstand der Abteilung für Anästhesie der Landeskliniken HalleinFachgruppenobmann für Anästhesie der Ärztekammer Salzburg

Aufgerufen am 18.09.2020 um 09:56 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/mehr-wertschaetzung-fuer-mitarbeiter-der-krankenhaeuser-86446066

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