Leserbrief

Meine Wünsche für das neue Jahr

Mein erster Wunsch ist, dass die demokratischen Strukturen in Europa nicht zerstört werden. Es besteht die große Gefahr, dass wir von Populismus, der geprägt ist von ketzerischer und oberflächlicher Politik und damit den Zuspruch der Massen gewinnen will, überrollt werden. Oder gar Extremismus, der keine andere Meinung zulässt und in den Parlamenten womöglich die Oberhand gewinnt. Eine Schwäche der Demokratie ist, dass erst dann gehandelt wird, wenn die Probleme bereits übergroß angewachsen sind. Zwischen den Parteien herrschen natürlich unterschiedliche Sichtweisen, es gibt jedoch existenzbedrohende Probleme, die nur gemeinsam gelöst werden können. Fundamentalopposition ist daher nicht angebracht.


Mein zweiter Wunsch, dass Regierung und Opposition endlich den Klimawandel ernst nehmen und die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen setzen. Nur mit einem Schulterschluss aller Parteien kann dies gelingen. Die Zukunft der nächsten Generationen hängt davon ab. Wir tragen daher eine große Verantwortung. Was zu tun ist, ist hinlänglich bekannt und machbar.


Mein dritter Wunsch betrifft die Digitalisierung, die enorme gesellschaftliche Veränderungen verursachen wird. Die Politik hat noch kaum auf diese Problematik reagiert. Die Befürworter wollen uns einreden, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Dabei handelt es sich aber um hochqualifizierte Arbeitsplätze, jedoch weniger qualifizierte Arbeitsplätze werden wegfallen und durch Roboter ersetzt. Diese Menschen haben kein Einkommen, werden als Konsumenten weitgehend ausfallen. Die Wirtschaft braucht aber Konsumenten, um ihre Produkte verkaufen zu können. Schadet sich da die Wirtschaft nicht selbst?


Mein vierter Wunsch besteht darin, der Finanzwirtschaft einen (wenn möglich globalen) gesetzlichen Ordnungsrahmen vorzugeben, um zu verhindern, dass sich eine Finanzkrise wie im Jahr 2008 wiederholt. Die Finanzwirtschaft agiert offensichtlich in einem fast gesetzlosen Rahmen. Sie ist ein großes, globales Kasino in dem keine Wirtschaftsleistung erbracht wird. Zu wenig Geld fließt daher in die Realwirtschaft, die die Arbeitsplätze schafft.


Um alle diese Probleme in den Griff zu bekommen, bedarf es politischen Mut, auch gegen den Mainstream zu entscheiden. Dieser Mut ist derzeit nicht in Sichtweite. Die weltweite fragile Sicherheitslage, die Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union und der Brexit sind weitere Gefahren für die nahe Zukunft und werden unser Leben stark beeinflussen.


DI Willibald Klapf, 5630 Bad Hofgastein

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