Leserbrief

Milchwirtschaft am Scheideweg

Das Thema Kälbertransporte und Milchwirtschaft läuft Gefahr - wie vieles andere - in der Corona-Berichterstattung unter zu gehen.

Dass das Grundproblem sowohl für die schlechten Milchpreise als auch für die Kälberexporte im derzeitigen System Milch besteht, zeichnet sich in seltener Einmütigkeit ab. Man braucht auch kein Studium in Wirtschaftswissenschaften um zu realisieren, dass jede Überproduktion die Preise auf Weltmarktniveau drückt. Die Handelskette Spar rechnet es den protestierenden Bauern vor. 60% der in Österreich produzierten Milch geht in den Export. Das Kälberprojekt der LK Salzburg will mit Gumpenstein Wege suchen, mehr Kälber im Land aufzuziehen. Derzeit würden knapp 20% exportiert und massenweise billiges Kalbfleisch importiert.

Wie will man diesem Teufelskreis entkommen? Der bisherige Weg führt offensichtlich in eine Sackgasse. Am internationalen Markt zählt nur der Preis. Um dort erfolgreich zu sein, müssen alle Möglichkeiten der Intensivierung und Technisierung genutzt werden. Das Standardmodell für Milchproduktion beginnt bei 100 Hochleistungskühen, ganzjähriger Stallhaltung im Laufstall, Silo- und Güllewirtschaft, Kraftfuttereinsatz, Melkroboter. Das Kälberproblem löst man hier demnächst mit Spermasexing.

Die einzige Alternative, die kleinstrukturierte Milchproduktion im Alpenraum zu halten, ist der Umstieg auf standortangepasste Zweinutzungsrassen, Heumilch und Weidewirtschaft (Kurzrasenweide in Gunstlagen) und muttergebundener Kälberaufzucht. Das löst nicht nur das Tierschutz- und Klimaproblem, sondern das Hauptproblem, die Überproduktion.

Dr. Erik Schmid, 6840 Götzis

Aufgerufen am 21.01.2021 um 08:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/milchwirtschaft-am-scheideweg-84308371

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