Leserbrief

Mit der Geschichte auseinandersetzen

Sehr geehrter Herr Innenminister! Mit einigem Bedauern verfolge ich die Entscheidungen, die in den vergangenen Jahren im Zusammenhang
mit Hitlers Geburtshaus in Braunau getroffen wurden. Erschien bereits der Umstand ungewöhnlich, dass diese Entscheidungen, die grundlegende gesellschaftspolitische Relevanz haben, vom Innenministerium getroffen werden, so war die Entscheidung für einen weitreichenden Umbau des Hauses und eine Verwendung als Polizeieinrichtung noch bedauerlicher und eine vergebene Chance.
Die Überlegung allerdings, mit der Entfernung des Gedenksteins die Geschichte dieses Hauses ganz vergessen machen zu wollen, ist völlig unverständlich, da damit endgültig eine Symbolik entsteht, die einer selbstbewussten Demokratie und einer offenen Gesellschaft nicht angemessen ist. Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Schrecken des Nationalsozialismus und eben auch mit seinem Erbe, sei es ideologischer, literarischer oder architektonischer Natur, ist eine wesentliche Aufgabe, der sich jede Generation aufs Neue stellen muss.
Mit den in Braunau gesetzten Schritten berauben Sie künftige Generationen einer dieser Möglichkeiten.

Dr. Othmar Plöckinger, 5026 Salzburg

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