Leserbrief

Musik oder Special Effects?

"T.H.A.M.O.S" - ein Werk mit Mozarts Handschrift. Oder auch nicht. Es spielt eigentlich keine Rolle. Denn diese Inszenierung stellt jegliche musikalische Leistung ins Licht. Denn die Musiker/-innen waren toll.
Aber wie kann man ein Werk so inszenieren? Laser-Show, 3D-Animationen, fliegende Darsteller - und zwar ständig - Wassertaufen, Schlamm-Racing, Feuerwerk, Akrobatik ohne Sinn und Zweck. Die Liste ist endlos.

Diese Inszenierung ist eine Zumutung, eine Augenvergewaltigung. Wo soll man hinsehen? Einzelne Elemente mögen wohl taktisch, inhaltlich, szenisch gut gewählt sein, doch entbehrt dieses Werk jeglichen Zusammenhang, das von der Inszenierung auch noch gestützt - ja völlig übertrieben ausgeschlachtet wird. Als Zuhörer/-in hat man kaum die Möglichkeit, sich auf die Musik zu konzentrieren. Denn da fällt jemand vom Himmel, ein Feuerwerk wird gezündet, ein Mensch in Plastikfolie, ein Scheinwerfer im Gesicht, der es einem unmöglich macht, auf die Bühne zu sehen. Was nicht unbedingt das Schlechteste ist. Denn wenn man die Augen zumacht, ist es Musik.
Wenn so viel fliegt, grabbelt, fällt und sich alles ständig bewegt (menschlich oder animiert), dann hat man doch überhaupt keine Zeit mehr zu hören, zu fühlen und auch zu lesen (bei letzterem waren auch die Akrobaten Schuld, sie hingen oft über dem Text). Ganz abgesehen von der Geruchsbelästigung. Aber das war wohl für den "Sei-mittendrin-Effekt" - macht man ja in Kinos in Amerika auch so.
"T.H.A.M.O.S" bietet alles, was es an Showeinlage zu bieten gibt. Völlig sinnentleert - Hauptsache, es ist spektakulär.
Ich bin keine Verfechterin des klassisch Inszenierten, durchaus offen für Neues und Aufregendes. Aber das war einfach nur überladen und aufgepumpt. Es ging um die Special Effects, nicht um die Musik.
Und feiern wir nicht den Geburtstag eines Musikers?

Verena Jagersberg, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 28.01.2021 um 01:24 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/musik-oder-special-effects-64880035

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