Leserbrief

Muss es beim Wirt alles gratis geben?

Sehr geehrter Herr AK-Präsident Eder! Diese Dauerleier mit dem Gratis-Leitungswasser in der Gastronomie erscheint so regelmäßig wie früher das Auftauchen von Nessie in Loch Ness. Haben Sie Ihren Automechaniker schon einmal gefragt, warum er das 2-Cent-Schrauferl überhaupt verrechnet und für das Eindrehen dann noch einmal fünf Euro? Warum sich der Schneider das preisgünstige Nähgarn kassieren traut, der Schuster für den Fast-gratis-Leim ihr Geldbörserl belastet usw.? Gerade Sie als Arbeiterkämmerer müssten wissen, dass das Teuerste in der Gastronomie die Arbeitskraft und der immense Zeitaufwand sind. Der Kellner fragt nach Ihrem Begehr, füllt dann das Glas mit Wasser, bringt es an Ihren Tisch, holt es wieder ab, spült es, poliert es und stellt es wieder zurück. Dass zum Kaffee klassisch auch ein Glas Wasser serviert wird, nehmen wir gern zur Kenntnis. Auch dass wir dann bei diesem Getränk zu 3,50 Euro im angenehmen und warmen Ambiente eine Stunde sitzen bleiben und eine oder mehrere Gratiszeitungen lesen dürfen oder der Herr Ober uns sein Ohr leiht, wenn wir jemanden zum Ratschen brauchen.
Warum muss es beim Wirt - ob Kleingeld, Wasser, psychologische Betreuung, Wärmestube - alles gratis geben?
Verbringen Sie doch einmal einen Tag arbeitend in einem Café oder Restaurant. Ich komme dann zur Mittagsstoßzeit und ordere bei Ihnen einen halben Liter Gratis-Leitungswasser - dann schaut die Gschicht schon ganz anders aus! Und Trinkgeld gibt's auch keins.

Heidi Imhofer, ehem. Wirtin und Berufsschullehrerin für das Gastgewerbe, 5640 Bad Gastein

Aufgerufen am 20.01.2022 um 05:12 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/muss-es-beim-wirt-alles-gratis-geben-78381346

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