Leserbrief

Nachdenken über künftigen Tourismus

Nach Flydubai hat nun mit Flynas auch die zweite Fluglinie aus dem arabischen Raum ihren Linienbetrieb nach Salzburg aufgenommen. Wiewohl verständlich ist, dass vor allem die Flughafenbetreiber touristischen Aufholbedarf haben, fragt man sich schon, was von den Lippenbekenntnissen vor und während der Coronakrise übrig geblieben ist. Von "mehr Klasse statt Masse" und der "Forcierung des Qualitätstourismus (jetzt aber echt!)" war da die Rede.

Und nun? Zurück zur Normalität und zwar so schnell wie möglich. Billigfluglinien aus dem arabischen Raum nach Salzburg zu holen klingt so gar nicht nach touristischer Innovation, sondern ist vielmehr ein Rückschritt in Richtung Overtourism (Sie erinnern sich noch? Das war anno 2019!) und die krampfhafte Wiederbelebung einer Cashcow, die vor der Krise bestens funktioniert hat - allerdings durchaus auch zum Leidwesen einiger Touristiker und Einheimischer.

Der Hinweis auf die hohe Wertschöpfung, die damit in die Region geholt werde, geschieht wie immer ohne Berücksichtigung der Opportunitätskosten: Die Marketingmaßnahmen einzelner Regionen verpuffen angesichts der Überrepräsentanz einer Zielgruppe, die gar nicht beworben wird (zum Beispiel in Zell am See-Kaprun), sämtliche Maßnahmen zum nachhaltigen und umweltbewussten Tourismus sind mit diesen Gästen - so lehrt uns leider die Erfahrung - nur schwer kompatibel und die durchaus innovative Produktentwicklung in den Regionen geht vielfach an den Bedürfnissen dieser Gäste vorbei.

Was nützt es, wenn sich einzelne Destinationen um eine touristische Neuorientierung oder zumindest eine Adaptierung bisher bekannter Konzepte bemühen, wenn dann die überregional agierenden Entscheidungsträger den Erfolgsversprechungen von vor 20 Jahren nachhängen? Wir riskieren aufgrund der bitteren Erfahrungen der letzten eineinhalb Jahre, unsere Innovationsfähigkeit dem schnellen Geld einer überkommenen Tourismusausrichtung zu opfern.

Bei allem Verständnis für die schwierige Lage vieler Betriebe und Regionen: Bitte denken wir jetzt darüber nach, wie unser Tourismus in den nächsten Jahrzehnten aussehen soll, und nicht darüber, wie wir möglichst schnell wieder in die Zeit vor der Krise zurückkehren können!

Georg J. Daxer, 5700 Zell am See

Aufgerufen am 18.10.2021 um 09:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/nachdenken-ueber-kuenftigen-tourismus-107191759

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