Leserbrief

Neue Lösungen müssen entwickelt werden

Zum Artikel "Wenn uns die Arbeit ausgeht" in den SN vom 28. 1. 19:

Andreas Koller stellt in seinem Artikel völlig zu Recht fest, dass auf Grund der bevorstehenden Umbrüche in der Arbeitswelt dringend über eine Neuverteilung der Steuer- und Abgabenlast geredet werden sollte und ist der Ansicht, dass man sich, anstatt nur die Arbeit als Basis von Steuern und Abgaben heranzuziehen, über eine Anzapfung der Wertschöpfung den Kopf zerbrechen wird müssen. Jener Wertschöpfung, die mit minimaler menschlicher Arbeitskraft erwirtschaftet wird.

Tatsache ist, dass es in hoch technisierten Betrieben auf Grund fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung vermehrt zu Arbeitsplatzverlusten kommt. Und da die Lohnsumme die Grundlage für die Sozialabgaben ist, müssen personalintensive Branchen wie beispielsweise der Handel oder Tourismusbetriebe wesentlich höhere Sozialbeiträge verkraften als vollautomatische Betriebe mit wenig Personal. Im Sinne von mehr Gerechtigkeit wird man daher an einer Verbreiterung der Finanzierungsbasis zur nachhaltigen Sicherung des Sozialstaates nicht vorbeikommen. Auch wenn die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung eine derartige Maßnahme permanent als Maschinensteuer verteufeln. Zur Frage, wer künftig die Krankenversicherung, die Pensionen und die Unfallversicherung finanzieren soll, sollte man nicht unerwähnt lassen, dass man im Hinblick auf die alternde Gesellschaft auch Strategien für die Finanzierung der Pflege entwickeln wird müssen. Denkbar wäre die Einführung einer Pflegeversicherung, wobei die Kosten nicht den arbeitenden Menschen und deren Dienstgebern allein aufgebürdet werden sollte, sondern auch Menschen, die nicht im Arbeitsprozess stehen. Vergleichbar mit einer Haftpflichtversicherung. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, sollte man meines Erachtens eine Erbschafts- und darüber hinaus eine Vermögenssteuer einführen und deren Erträge zweckgebunden für die Finanzierung der permanent steigenden Pflegekosten verwenden. Letztlich kann man es drehen und wenden wie man will: Im Hinblick auf die demographischen Verschiebungen und die damit verbundene längere Pensionsbezugsdauer sind auch im Pensionsrecht weitere Reformen unumgänglich. Fazit: Trotz unterschiedlicher Auffassungen ist es hoch an der Zeit, dass die Politik in diesen Bereichen im Interesse der Bevölkerung Lösungen entwickelt.


Herbert Stocker, 5020 Salzburg

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