Leserbrief

Neue Wege gehen!

Die SN-Artikel vom 19. 7. - zu Gaza sowie zu den Klimazielen - schildern zwei Seiten der Realität. Auf der einen Seite ist da der Gazastreifen, wo laut Abed Schokry 80 Prozent der Uni-Abgänger keinen Job finden und die Geburtenrate (Anzahl Kinder pro Frau) über fünf liegt. Massives Wirtschaftswachstum zur Arbeitsplatzbeschaffung und die Unterstützung auch durch die arabischen Ölproduzenten sind oder wären da unabdingbar (insbesondere nach Wegfall der USA-UNHCR-Beiträge).

Auf der anderen Seite sind da die europäischen Länder (Geburtenrate um die 1,5, hohe Jugendarbeitslosigkeit im Osten und Süden), die gefordert sind, ihren Beitrag zur CO2- Reduktion zu leisten, durch Konsumverzicht (mit entsprechendem Druck auf den weltweiten Arbeitsmarkt) und Reduktion des Ölverbrauchs auch zulasten der genannten Ölproduzenten. Gleichzeitig fordern die Menschenrechte (auch über die UNHCR), dass der Lebensunterhalt der kinderreichen Entwicklungsländer durch Leistungstransfer langfristig gesichert wird. Wie kann diese Diskrepanz langfristig aufgelöst werden?

Gefordert ist eine Weltbild-Komponente, welche die sich aus genannter Diskrepanz ergebenden Zielkonflikte beseitigt. Es geht darum, den Zielkonflikt zwischen den Menschenrechten auf Lebensunterhalt und dem Menschenrecht auf Eigentum aufzulösen durch entsprechendes Verteilen der Verantwortung.

Es geht darum, Perspektiven zu formulieren, die auf Konsumverzicht, Sicherung der Selbstversorgung (wo der Weltmarkt nicht genug Arbeitsplätze bietet) und verantwortungsvoller Elternschaft beruhen. Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Eine Kollektiventlastung der Eliten der Entwicklungsländer und eine Kollektivbelastung Europas helfen erst recht nicht.


Gernot Gwehenberger, CH-4143 Dornach

Aufgerufen am 24.10.2020 um 09:03 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/neue-wege-gehen-73898371

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