Leserbrief

Neutorsperre - unüberlegt und vorschnell

Nun ist die Absicht heraußen, das Neutor für den Individualverkehr zu sperren (SN vom 19. 2.). Offensichtlich ein mäßig überlegter Schritt zur Verkehrsberuhigung der Altstadt. Als ich in den frühen 60er Jahren an der TH Wien Architektur studierte, hieß es in der Vorlesung "Siedlungswesen", dass das Land Salzburg zwar als erstes ein Raumordnungsgesetz habe, aber die Stadt noch immer keinen Generalverkehrsplan.

Vor 60 Jahren hatten viele österreichischen Städte bereits einen solchen, Salzburg hat bis heute keinen. Und die beabsichtigte Maßnahme sieht auch wieder so aus: Ein offensichtlicher wahltaktischer Hüftschuss, unüberlegt und vorschnell, im Wege des "Drüberfahrens". Abgesehen von dilettantischem Politikspiel kann doch eine solche Maßnahme nicht ohne umfassende Lösung für das ganze Stadtgebiet beschlossen werden. Die Auswirkungen würden sich auf das Verkehrsgeschehen nicht nur um die Innenstadt, sondern auch auf das ganze Stadtgebiet und darüber hinaus auswirken. Der ohnehin überlastete Verkehr auf der Lehener Brücke würde dann überhaupt zum Stillstand kommen, die andere Ausweichroute über die Karolinenbrücke würde dort zu Stau-Situationen führen.

Dazu wäre zu überlegen, wie Pendler und Touristenbusse vom Innenstadt-Nahbereich an den Stadtrand geleitet werden könnten: Das könnte zusammenhängend mit Parkplätzen unmittelbar an den Autobahnabfahrten und einer Stadtbahn (unter Einbezug des Stiegl-Geleises) zum Mirabellplatz in Betracht gezogen werden. Dann kämen die Touristen direkt ins ersehnte Stadtzentrum mit dem atemberaubenden Blick vom Mirabellgarten zur Festung, und die Busse blieben draußen. Möge uns ein gütiges Schicksal vor Schnellschuss-Politikern künftig bewahren!

Architekt Rainer Brandt, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 26.10.2020 um 04:33 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/neutorsperre-unueberlegt-und-vorschnell-67957345

Schlagzeilen