Leserbrief

Notengebung: Gesetz schützt vor Willkür

Der Lehrer Markus Kerschbaumer ist mit der Beschwerde von seinem Kollegen Sepp Schnöll nicht einverstanden.
Aber als Lehrer sollte er, genauso wie Bildungsdirektor Rudolf Mair, der selbst an die Öffentlichkeit gegangen ist, die Leistungsbeurteilungsverordnung kennen. Abgesehen davon, dass diese Leistungsbeurteilungsverordnung (hoch lebe die Bürokratie!) eine Zumutung für einen guten Lehrer, aber auch für spontan reagierende Schüler ist, steht dort geschrieben:
Zur Leistungsfeststellung ist heranzuziehen laut § 3 (1) a) "Die Feststellung der Mitarbeit der Schüler im Unterricht"!
Nun frage ich mich: Wie kann dies eine Bildungsbehörde aus der Ferne beurteilen?
In § 4 (3) wird vom Lehrer verlangt: "Aufzeichnungen über diese Leistungen (Mitarbeit) sind so oft und so eingehend vorzunehmen, wie dies für die Leistungsbeurteilung erforderlich ist."
Nun darüber kann man streiten: Soll nun der Unterricht live mitgeschnitten werden, damit jedes Schwätzen, Wischen am Handy oder sonstiger Unfug dokumentiert ist? Oder genügt es, wenn am Ende des Semesters festgestellt wird, ein Schüler hat oft nicht mitgearbeitet. Wenn aber verlangt wird, dass für 20 Schüler jede Störung des Unterrichts schriftlich festgehalten wird, kommt der Unterricht zu kurz.
Und wer bekommt eine Eins? Laut der Verordnung §14 (2) "Mit "Sehr gut" sind Leistungen zu beurteilen, mit denen der Schüler die nach Maßgabe des Lehrplanes gestellten Anforderungen in der Erfassung und in der Anwendung des Lehrstoffes sowie in der Durchführung der Aufgaben in weit über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß erfüllt und, wo dies möglich ist, deutliche Eigenständigkeit beziehungsweise die Fähigkeit zur selbstständigen Anwendung seines Wissens und Könnens auf für ihn neuartige Aufgaben zeigt."
Wie bitte hat nun diese Bildungsbehörde festgestellt, dass die Aufgaben in weit über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß erfüllt wurde? Und dies ohne mit dem Unterrichtenden zu sprechen!
Herr Kerschbaumer hat unbestritten recht, dass es ungerechte Lehrer gibt, die meist sowohl den Eltern als der Schule bekannt sind, aber leider nicht aus der Schule entfernt werden können. Dann gibt es Lehrer, bei denen es keine "Sehr Gut" gibt und bei denen die Fähigkeit, die Klasse erfolgreich zu unterrichten, zu hinterfragen ist. Aber in keinem Fall kann ohne Mitwirkung der Lehrperson eine Note verändert werden, ohne die in der Leistungsbeurteilungsverordnung festgeschriebenen Regeln zu verletzen! Und darüber hat sich der Lehrer Sepp Schnöll zu Recht beschwert!


Mag. Reinhard Fischill, 1150 Wien

Aufgerufen am 31.10.2020 um 06:27 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/notengebung-gesetz-schuetzt-vor-willkuer-65301862

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