Leserbrief

Nur Papst werden kann sie nicht ...

Vor der Einführung einer Frauenquote, wo auch immer, kann nur eindringlich gewarnt werden und dieses aus mehreren Gründen:
1. Die Frauenquote schädigt das Leistungsprinzip nachhaltig. Wer es kann, so die Funktion bekommen. Es kann nicht sein, dass Frausein oder Mannsein als Qualifikationskriterium gelten soll.
2. Für viele gescheite und tüchtige Frauen, die in steigendem Maße (und das ist erfreulich) sich führende Stellen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst erarbeitet haben (ohne Quote) wäre das in Schlag ins Gesicht. Es würde ihre erbrachten Leistungen im Nachhinein entwerten. Keine von diesen will, völlig zurecht, in den Verdacht einer Quotenfrau kommen.
3. Auch das Argument, dass man damit vielleicht Wahlen gewinnen könnte, geht ins Leere. Ich persönlich kennen in meinem relativ großen Bekanntenkreis (vorwiegend Frauen) niemanden, der sich mit einer solchen Forderung identifizieren könnte. Die einzigen Gewinner wären bei einer solchen Kampagne mit ziemlicher Sicherheit Parteien, die man zur extremen Rechten zählen kann. Wollen wir das wirklich?
4. Mit der Forderung nach einer geschlechtsbezogenen Quote würde aber noch ein zweites Prinzip unter die Räder kommen. Es würde bedeuten, dass die für sozialen Aufstieg unbedingt notwendige Chancengleichheit durch den Grundsatz der Ergebnisgleichheit ersetzt werden würde. Wohin das führen kann, wissen wir aus der Geschichte. Die Menschen sind nicht gleich, Männer und Frauen auch nicht. Sie haben unterschiedliche Vorstellungen und Fähigkeiten, die man nicht gleich bügeln kann. Wertvoll für die Gesellschaft sind sie alle.
5. Wenn man die Frauenquote unbedingt einführen will, so muss das aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit überall passieren (so wie einst in der DDR), also am Bau, bei Straßen- und Kanalarbeiten und auch bei der Müllabfuhr. Das würde z.B. im Lehrberuf bedeuten, dass man in den nächsten fünf Jahren nur Männer aufnehmen müsste, um Geschlechterparität herzustellen. Es gibt Fachleute, die es begrüßen würden, wenn mehr Männer Lehrer werden wollten.
6. Wenn man die Quotenregelung einführen wollte, dann würden andere Forderungen erhoben werden. Nur zwei Beispiele: Da könnten z.B.
Linkshänder auftreten und ihren "gerechten Anteil" an Spitzenpositionen (um die geht es ja) geltend machen. Und was ist mit den LGBTQ-Menschen, die ebenfalls Ansprüche stellen könnten?
Kleine Anmerkung am Schluss: Es gibt kein Patriarchat mehr. Das wurde in den 70er Jahren abgeschafft. Jede Frau kann heute alles, beruflich und privat, erreichen, was sie will. Nur Papst kann sie nicht werden. Aber vielleicht ändert sich auch das - eines Tages.


HR Mag. Dr. Detlef Schaffer, Landesschulinspektor i.R., Hon. Prof. der Fachhochschule Krems i.R., 2103 Langenzersdorf

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