Leserbrief

Öffentlicher Positionsbezug würde zum Nachdenken anregen

Es liegt mir fern, Herrn Gergiev mit Wilhelm Furtwängler zu vergleichen, weder künstlerisch noch politisch. Doch sind wir angehalten, aus der Vergangenheit zu lernen. Und da stellt Furtwängler ein großes Beispiel dar, aus dem wir sehr wohl lernen können.

Also aus heutiger Sicht: Wäre nicht sinnvoll gewesen, hätte sich der Halbgott Wilhelm Furtwängler rechtzeitig - statt erst post festum - klar und öffentlich vom Nazi-Regime distanziert, das ihn feierte, hofierte, und damit auch benutzte? Wäre ein klarer öffentlicher Positionsbezug einer so großen künstlerischen Instanz völlig überflüssig gewesen? Oder hätte er zum Nachdenken angeregt, zum Hinterfragen, womöglich exponentiell, hätte er gar Leben retten können - etwa durch rechtzeitige Emigration so mancher?

Ist es, Herr Bachler, nicht legitim, gerade von Personen, die eine hohe künstlerische Kompetenz haben oder zumindest eine entsprechende Position bekleiden, auch klare Stellungnahmen zu erwarten, die einer Vordenker- und Gallionsifigur würdig sind? Von wem denn sonst?

em.o. Univ.-Prof. Martin Mumelter, D-86899 Landsberg am Lech

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