Leserbrief

Österreich hat das nicht verdient?

Da bin ich anderer Meinung. Mit der Schweiz hätten wir in nächster Nähe ein gutes Beispiel für die direkte Demokratie. Doch Österreich pflegt in alter Tradition noch immer das Kaisertum, der Kaiser heißt jetzt Kanzler, die Landeskaiser agieren zum Teil als Landeshauptleute und einige Bürgermeister benehmen sich wie Ortskaiser.
Der wesentliche Unterschied zur Schweiz liegt darin, dass die Schweizer Bürger mehr Gedanken in Projekte investieren, als in Personen. Die Aufmerksamkeit ist eben mehr auf Sachleistungen und Problemlösungen gerichtet, als auf handelnde Personen. Deshalb wird dort auch viel weniger öffentlich Schmutzwäsche gewaschen.
Ich schäme mich: Österreich gibt Millionen aus für zahnlose Untersuchungsausschüsse. 86-mal die Antwort "Ich weiß es nicht" hat für den Finanzminister keine Folgen, ebenso wenig, dass er seine Frau mit Kind und Laptop während einer Hausdurchsuchung spazieren schickt. Eine Schredder-Affäre, der Überbringer gibt einen falschen Namen an - keine rechtlichen Folgen. Ein Nationalratspräsident, der die Wahrheitspflicht im Nationalrat in Frage stellt, der auch den Satz prägte, dass jedes Inserat eine Gegenleistung wert sei. Wer nun glaubt, mit der ÖVP wird es besser, irrt sich. Denn nicht nur, aber hauptsächlich die ÖVP würde alles tun, um Schweizer Wahlrecht bei uns zu verhindern. Der durchschnittliche Österreicher ist zu träge und schiebt Verantwortung lieber ab. So bleibt immer bis zum nächsten Skandal alles beim Alten. Wir geben uns mit einem Tag Demokratie in fünf Jahren zufrieden. Der Wahltag. Manchen ist auch der zu viel. Sie schwänzen die Wahl.
Bringt ja eh nichts.

Reinhard Steindl, 5164 Seeham

Aufgerufen am 26.10.2021 um 05:41 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/oesterreich-hat-das-nicht-verdient-110738755

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