Leserbrief

Offener Brief an die Landesregierung zu den Frauenhäusern

Sehr geehrte Frau Landesrätin Andrea Klambauer! Sehr geehrte Damen und Herren der Salzburger Landesregierung! Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf!

Mit großem Erstaunen und Unglaube habe ich gelesen, dass Fr. Landesrätin
Andrea Klambauer plant, eine EU-weite Ausschreibung für die Frauenhäuser in
Salzburg und Hallein zu machen.

Wie Sie wissen, ist die Arbeit der Frauenhäuser an strenge Qualitätskriterien
gebunden und sie haben mittlerweile über die Jahre eine Unmenge von
Expertise aufgebaut, mit so einer Ausschreibung werden diese einfach vom
Tisch gefegt. Egal wer kommt, es kann nie ersetzen, was da war und es ist eine Verlustsituation, auch wenn es anders präsentiert wird. Das "Unternehmen Frauenhäuser" wird profitorientiert, wie sich das auf alle Betroffenen auswirken wird, davon sind EU-weit schon genügend Beispiele zu finden.

Dazu kommt, dass Österreich kein einfaches Pflaster für Menschen aus dem
Ausland ist, es hat seine sehr eigene Mentalität. Wenn ich hier in Österreich
arbeiten wollte, müssten meine Zeugnisse übersetzt und geprüft werden, wie
schaut das hier dann aus, oder ist Geld hier das große Zauberwort?

Es ist keine Überraschung, dass die Politik schon seit Jahren nicht mit den
Frauenhäusern zurecht kommt, weil die Politik andere Interessen hat, oft nur
finanzielle, wie lange ist das Budget der Frauenhäuser nicht erhöht worden
sondern gekürzt? Die Leiterinnen der Frauenhäuser würden ihre Arbeit nicht
ernst nehmen, wenn sie nicht lästig und beharrlich sind, letztendlich sind sie das
für die Interessen ihrer Bewohnerinnen. Die Arbeit, die in Frauenhäusern gemacht
wird, ist Knochenarbeit und ist in den letzten Jahren schwieriger geworden.
Es ist deshalb vorhersehbar, dass die Politik und Frauenhäuser kollidieren
müssen, weil die Politik hierarchisch gestaltet ist und die Macht hat, für die
Frauenhäuser Augenhöhe und Gemeinwohl der Frauen und Kinder sehr wichtig
sind. Das Wort Sicherheit hat hier eine ganz andere Bedeutung als in der Politik.

Eine Landesrätin, die aus einem ganz anderen Bereich kommt, hat es dann natürlich
schwer, aber soll sich in ihr Gegenüber hineinversetzen können und wenn das
dann auch nicht geht, kommen diese Vorschläge, die aber keine wirkliche Lösungen sind. Ihre Aufgabe ist es, die Frauenhäuser zu unterstützen und ihren Mitarbeiterinnen Wertschätzung entgegen zu bringen.

Die Landesrätin und die Landesregierung müssen erkennen, dass die Arbeit
der Frauenhäuser eine sehr wertvolle Arbeit ist, sie leisten Friedensarbeit für
die Gesellschaft. Wenn sie mehr darüber wissen wollen, kann das Friedensbüro
sicherlich besser informieren.

Auch die Lösung von Schutzwohnungen ist nur bedingt sinnvoll, da es Stufen in
der Gewaltausübung gibt. Wenn es funktioniert, ist es super und eine wertvolle
Ergänzung zum Angebot. Aber es kann noch immer notwendig sein, dass
eine Frau aus dem Pinzgau nach Salzburg oder Hallein fliehen muss.
In dene Niederlanden gibt es neben diesen Schutzwohnungen immer noch andere
Optionen. Gewalt an Frauen hat keine Uniformität und sieht in jedem Einzelfall
anders aus, jedes Trauma ist unterschiedlich und braucht seine eigene Zeit.
Eine uniforme Lösung anzustreben heißt, die Augen vor der schwierigen und
vielschichtigen Realität schließen.

Es ist fast makaber, dass die Frauenhäuser Spenden in Höhe von 32.000 Euro, die sie
bekommen haben, um Rufbereitschaft und Dolmetscherausgaben zu decken,
Geld, das von der Landesregierung gekürzt worden ist, zurückzahlen müssen.
Von den 50.000 Euro für die Schutzwohnungen kommen also 32.000 Euro von den
Frauenhäusern, und was passiert mit den Mitarbeiterinnen von dem Frauenhaus in
Pinzgau - werden die jetzt die Schutzwohnungen betreuen? Viele Unklarheiten,
Transparenz sieht anders aus.


Trees Peters, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 06.12.2021 um 12:13 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/offener-brief-an-die-landesregierung-zu-den-frauenhaeusern-84313477

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