Leserbrief

Offener Brief an Markus Söder

Sehr geehrter Herr Söder, damit Sie sich nicht verrennen: 4000 Bayern pendeln täglich nach Salzburg. 1400 Salzburger pendeln täglich nach Bayern. Und denen schreiben Sie jetzt einen wöchentlichen Test vor?
Nach dem völkerrechtlichen Grundsatz der Retorsion könnte jetzt der Salzburger Landeshauptmann der gleichen Schnapsidee verfallen. Dann hätten Sie sich mit Ihrer kleinkarierten Sandkasten-Politik selbst ins Knie geschossen. Der Sache dient das nicht.

Berchtesgaden ist genauso rot wie Salzburg. Das Virus hat sich gerecht auf beiden Seiten gleich vermehrt. Es unterscheidet nicht zwischen Salzburgern und Bayern. Wieso spalten Sie die Menschen "drent und herent"? Ist Ihnen der politische Fleckerlteppich à la Weimar, auf die EU umgelegt, lieber als ein vernünftiges Europa?

Die Bevölkerung ist diesseits und jenseits der "Grenze", die an vielen Stellen in natura gar nicht mehr vorhanden ist, längst zusammengewachsen.

Unsere Tochter ist Österreicherin und hat ihren Hauptwohnsitz in Salzburg (A), wo sie auch ihren Beruf ausübt. Sie hat einen echten Bayern geheiratet, dessen kleine Firma "dahoam" ist, und hat daher ebenso ihren Hauptwohnsitz in Freilassing (D). Der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen ist also Salzburg und Freilassing.

Da sie seit Kurzem ein Baby mit Doppelstaatsbürgerschaft hat, "pendelt" sie ständig zwischen Salzburg und Freilassing, obwohl sie natürlich keine Pendlerin im ursprünglichen Sinn ist: weder steuertechnisch noch arbeitsmäßig oder EU-rechtlich. Am ehesten noch familiär, weil sie auf die Hilfe der Eltern hüben wie drüben angewiesen ist.

Hören Sie auf, die Bevölkerung zu schikanieren!


Dr. Silvester Schröger, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 24.11.2020 um 04:09 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/offener-brief-an-markus-soeder-94785193

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