Leserbrief

Offener Brief betreffend Marienheilgarten

Sehr geehrter Herr Erzbischof, werter Herr Zach, das was in Großgmain vom Klerus gerade abgeliefert wird, ist an Geschmacklosigkeit wohl nicht mehr zu übertreffen und zeigt wieder einmal, wie weit die Kirche von den Menschen entfernt ist. Mit großer Enttäuschung und auch Wut habe ich in den letzten Tagen in den SN davon gelesen, dass sie als neuer Pfarrer den Marienheilgarten als "Mischmasch aus Heidentum und einem Hort aus Esoterik" bezeichnen und diese heidnischen Gegenstände nun entfernen lassen wollen und dazu den Erzbischof um Klärung dieser "heidnischen Vorgänge" ersucht haben. Der Marienheilgarten am Fuße des Unterbergs ist wohl einer jener Plätze im Land Salzburg, wo eine ganz besondere Energie zu verspüren ist. Sehr oft war und bin ich mit meiner Partnerin am Untersberg und wir haben nach der Wanderung fast immer im Marienheilgarten Halt gemacht, um diese Kraft und Liebe, die dieser Ort ausstrahlt, in uns verspüren zu können. Eben ein ganz besonderer Ort!

Ein paar Worte zu Pfarrer Herbert Schmatzberger. Ich habe in meinem Leben nur zwei Kirchenmänner getroffen, die ein besonders großes Herz und viel Liebe in sich tragen. Das sind Pfarrer Herbert Schmatzberger und der verstorbene Pfarrer Franz Guggenberger. Pfarrer Schmatzberger ist und war immer ein weltoffener Mensch, der hier mit Künstlern einen einzigartigen Platz der Begegnung und Besinnung geschaffen hat. Ich kann David Zwillings Worte nur unterstützen: "Wenn die Erzdiözese das alles nicht mehr haben möchte, wird sich ein anderer schöner Platz finden lassen!" Aber weshalb soll das nötig sein! Die Aussage von Bürgermeister Sebastian Schönbuchner in den SN sagt doch alles: Der Garten spiele mittlerweile eine wichtige Rolle für die Gemeinschaft unserer Gemeinde!

Indem Sie, Herr Erzbischof, sich nun klar hinter das altmodische Weltbild des neuen Pfarrers stellen, ist die Politik der Erzdiözese nun klar ersichtlich. Man wusste ja hinter vorgehaltener Hand, dass Pfarrer Schmatzberger der Obrigkeit in der Erzdiözese mit seiner weltoffenen Art immer schon ein Dorn im Auge war. Mit der Neu-Besetzung der Pfarre in Großgmain durch einen erzkonservativen Hardliner wurde die klare Gegenmaßnahme der Erzdiözese zur bisherigen weltoffenen Begegnung von Franz Schmatzberger mit dem Kirchenvolk mehr als ersichtlich. Schön, wenn die Kirchenpolitik so gut und klar erkennbar ist! Dann weiß man wenigstens, wo man nicht hingehört.

Sehr geehrter Herr Erzbischof, ich habe über alle Kirchenskandale (Bischöfe, Groer, Krenn, sexueller Missbrauch in der Kirche usw.) immer noch einen kleinen Bereich gefunden, der mich in der Kirche gehalten hat und gerade Menschen wie Pfarrer Schmatzberger und Pfarrer Guggenberger haben sehr viel dazu beigetragen. Pfarrer Schmatzberger konnte ich persönlich bei den Untersberg-Wallfahrten und auch bei den Christgeburtsmessen in der Waldandacht kennen und schätzen lernen.

Aber zurück zur aktuellen Vorgangsweise des Großgmainer Pfarrers Zach und Ihre Kirchenpolitik in Bezug auf den Marienheilgarten. Ich habe meine Entscheidung nun getroffen: Ich trete hiermit aus der katholischen Kirche aus! Mein Austrittsschreiben wird in den nächsten Tagen in der zuständigen Stelle einlangen.
Ihnen, Herr Pfarrer Zach, wünsche ich ein gutes Gelingen in Ihrer neuen Gemeinde und das gleiche wünsche ich Ihnen als Erbischof von Salzburg, werter Herr Dr. Franz Lackner.
So wie Anton Wintersteller in seinem Leserbrief den SN geschrieben hat: "Komm heiliger Geist, wirke auch in der katholischen Kirche!"

Johann Karl Josef Geisler, 5163 Mattsee

Aufgerufen am 17.05.2022 um 01:39 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/offener-brief-betreffend-marienheilgarten-71219848

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