Leserbrief

Oh wie schön ist Panama

Als ziemlich schwerer Raucher (20+/Tag) war ich bei meinem Urlaub in Panama zunächst "angefressen", als ich mit den dortigen Gesetzen konfrontiert wurde: Überall Rauchverbot, in Hotels (auf der gesamten Anlage!) und Restaurants (inkl. Terrassen/Gastgärten). Man muss für die Zigarette auf die Straße gehen, und selbst dort fühlt man sich als Raucher unwohl, weil quasi gebrandmarkt. Manche Bars gestatten das Rauchen unter dem allgegenwärtigen Schild "Prohibido fumar", solange sich kein anderer Gast gestört fühlt.
Es gibt keine Trafiken - und, soweit mir bekannt ist, nur einen einzigen Laden in der Fast-Millionenstadt Panama City, der Tabak zum Drehen verkauft - , die Preise sind mit durchschnittlich fünf bis sechs Dollar pro Packung bei weit geringerem Durchschnittseinkommen auf österreichischem Niveau, und Zigaretten werden nur "unter der Budel", meist in chinesischen Mini-Markets, verkauft - wie in Österreich vor nicht allzu langer Zeit noch Pornohefte. Der Raucheranteil betrug laut einer Wikipedia-Statistik in Panama im Jahr 2015 ca. vier Prozent. Auf einer Geburtstagsparty mit etwa 20 Personen war ich der einzige Raucher und wurde zum Frönen meines Lasters in die hinterste Ecke des Gartens verbannt.
Ich war, wie gesagt, zunächst angefressen, nach einer insgesamt 18-stündigen rauchfreien Anreise in meiner Freiheit zur Selbstbeschädigung derart eingeschränkt zu werden. Vielleicht sind solch rigide Gesetze aber wirklich der Weg zum Ausstieg vom Einstieg zum Zigarettenkonsum. Es wächst dadurch eine fast rauchfreie neue Generation heran - da kann man gern im Gegenzug notorische Raucher wie mich ein bisschen vergraulen, und das in einem Staat der sogenannten Dritten Welt, in dem noch vor wenigen Jahren Zigaretten per Stück in Apotheken (!) verkauft wurden!

Mag. Martin Stockinger, 5020 Salzburg

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