Leserbrief

Oppositionsparteien destabilisieren Österreich

Nach dem für Österreich und der Bundesregierung erfolgreichen Lockdown vom April 2020 waren es alle drei Oppositionsparteien, die es nicht erwarten konnten, den Lockdown wieder möglichst rasch zu beenden. Ja alle Oppositionsparteien peitschen die noch gerne abwartende Bundesregierung vorwärts zu einer viel zu raschen Beendigung der Schutzmaßnahmen, in der Absicht - wie die Opposition forderte - den Menschen die Lebensnormalität wieder zuzuführen. Und jetzt im Herbst 2020 sind es genau dieselben Oppositionsparteien, die der Bundesregierung ein über zwei Wochen zu spätes Herunterfahren eines Lockdowns light vorwerfen. Noch verwirrender wird es aber, wenn die Oppositionsparteien von einer fehlenden Verhältnismäßigkeit beim vorwurfsvoll zu spät erfolgten Lockdown light sprechen und der Bundesregierung nun gleichzeitig überzogene Maßnahmen vorwerfen. Damit wird es aber demokratiepolitisch bedrohlich: Denn gegenüber dem Leben gibt es keine Güterabwegung oder Verhältnismäßigkeit; wer das sagt, begegnet dem Verfassungsrecht auf "Schutz des Lebens" und der Gesundheit mit menschenverachtenden Zynismus und ausstrahlender politischer Negativität, die die Menschen demonstrativ auf die Straße treiben. Leider lernen wir immer noch nicht aus der Geschichte; dann wüsste man nämlich, dass die sog. spanische Grippe erst in ihrem dritten Welle am heftigsten wütete - damals bei den 40 -jährigen. Diese dreijährige Influenza-Pandemie, forderte laut WHO mehr als 50 Millionen Menschenleben, bei einer damaligen Weltbevölkerung von etwa 1,8 Milliarden. Und noch ein letztes. Es waren überbezahle Wirtschaftsmanager, die ab den 90er Jahren in den öffentlichen Spitälern drastische Einsparungen gegen den Widerstand der Primarärzte durchsetzten. Sie forderten, dass die Bettenauslastung bei 95 % zu liegen habe; das führte bis heute zu einem gigantischen Bettenabbau. Dazu dauert die Ausbildung von Intensivpersonal mindestens drei bis vier Jahre. Aber wer möchte heute noch auf Intensivstationen arbeiten, wo höchste Verantwortung, schlaflose Nachtdienste und Überstunden bei nicht angemessener Bezahlung warten? Das alles hat nun nicht Anschober zu verantworten, sondern andere: Seit 2008 waren vier SPÖ und eine FPÖ Minister bzw. Ministerinnen dafür zuständig. Dank der Salzburger Landesregierung erreichte ich als Neonatologieprimar in den 90-jahren, dass die neonatologische Intensivabteilung in Salzburg den Status einer "Vorhalteeinrichtung" bekam und damit eine 60 %- ige Bettenauslastung toleriert wurde. So entkam die Neontologie dem Bettenabbau. Trotzdem musste ich etliche kleinste Frühgeborene wegen mangelnder Intensivbetten nach Linz, Innsbruck, Graz, Wien oder München ausfliegen, da wir zwar keine virale Pandemie hatten, aber durch die "in vitro Fertilisierung"einen rasanten Anstieg von leichtgewichtigen Mehrlingsfrühgeborenen hatten. Diese Notsituation führte dann 2012 zum Bezug des Elternbabyzentrums, womit nochmals die Bettenkapazität gesteigert und mit der Bestückung von Elternzimmern eine fördernde Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden konnte.


Primar a.D. Dr. Josef Maria Rücker, 5020 Salzburg

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