Leserbrief

Pädagogikpaket und Strolz - Falsche Signale

Von April bis November berät Neos-Gründer Matthias Strolz für € 48.000 das Bildungsministerium von Heinz Faßmann, um das "Pädagogikpaket 2020" medial wirksam den Lehrern zu verkaufen. Allein das Promoten dieser Agenda durch eine Consultingagentur zeigt, wie weit sich die Bildungspolitik vom Ort Schule entfernt hat. Overcoaching, mediales Blendwerk, bildungswissenschaftliche Stehsätze und hochtrabendes Geschwurbel helfen dem maroden Schulsystem und insbesondere den Schulen, in denen es bereits lichterloh brennt (Brennpunktschulen, Risikoschulen), keinen Schritt weiter. Pädagogikpaket und Engagement von Influencer Strolz ist Indiz für völliges Verkennen der realen, prekären Schulsituation.
Würden Minister und Organe des Bildungskabinetts in Bildungsfragen professionelle Experten, nämlich reichlich mit Unterrichtserfahrung ausgestattete, unterrichtende Lehrer und Lehrerinnen konsultieren, wäre dies ein erster effizienter Schritt aus der beinahe aussichtslosen Bildungsmisere. Sie erführen aus erster Hand, dass Sommerschule und Förderstunden nichts an der Tatsache ändern, dass jeder vierte Grundschüler nicht richtig lesen, schreiben und kalkulieren kann. Sie erführen, dass an der umgehenden Installierung des zweiten Lehrers in jeder Volksschulklasse (Teamteaching) kein Weg vorbeiführt, um das stark havarierte, taumelnde Bildungsschiff wieder halbwegs flott zu bekommen. Kinder mit auffälligem, gestörtem Sozialverhalten in beinahe jeder Klasse. Es grenzt an Zauberei, vermag es ein Volksschullehrer allein, heutzutage zwanzig oder mehr Kinder adäquat zu beschäftigen, persönlichkeitsbildend zu fördern und ihnen einige der grundlegenden Kulturtechniken beizubringen. Weder dieses Pädagogikpaket und schon gar nicht eloquente Coaches oder Consultingunternehmer werden den drohenden Bildungskollaps verhindern können.


Sepp Schnöll, Lehrer, 5431 Kuchl

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