Leserbrief

Paracelsus-Sauna - die riesige Enttäuschung

47 Jahre war ich Gast in der alten Kurhaus-Sauna in Salzburg und habe mit dieser viele Standortwechsel innerhalb des Hauses und Neugestaltungen erlebt. Es war immer meine Sauna, in der ich viele Gleichgesinnte traf und viele nette und angenehme Stunden verbrachte. Am 28. November 2016 kam dann das Ende, der letzte Saunatag kam und wir mussten mit Wehmut von unserer Sauna Abschied nehmen. Sie war klein aber sie hatte Atmosphäre.

Drei Jahre musste ich in einer neuen Sauna meine Dienstagnachmittage verbringen und fieberte förmlich der Eröffnung des neuen Paracelsus-Bades und dem ersten Dienstag entgegen. Am 15. Oktober war es so weit, der erste Dienstag war gekommen, ich lenkte erwartungsvoll meine Schritte in Richtung Sauna. Der erste Eindruck von der Auersperstraße aus war für mich enttäuschend, ein moderner Klotz, der überhaupt nicht in die Gegend passt. Auf der Suche nach einem Zugang musste ich feststellen, dass dieser über einen Bretterverschlag führte, ich befand mich sozusagen noch immer auf einer Baustelle. Bezeichnender Weise gab es vor dem Klotz kein Hinweisschild über den Eingang. Das Innere des Gebäudes zeigte sich mir als seelenlose Halle, ein toter Gigantismus ohne jegliche Ausstrahlung, ohne jeden Charme, ein totes Gebäude. Wie furchtbar müssen die restlichen Einreichungen gewesen sein, wenn dieses Projekt den ersten Preis erhalten hat? Wer ist für diesen scheußlichen Klotz verantwortlich?

Aber die Sauna, die wird mich begeistern, die wird mich zufriedenstellen, dachte ich mir.

Bereits der erste Rundgang wiederholte den Eindruck des Hauses, Gigantismus, wohin das Auge reicht. Ich nehme an, dass die verantwortlichen Personen Exkursionen zu verschiedenen Saunen durchgeführt haben, alles verschwendetes Steuergeld. Wenn sie sich mit den Betreibern der alten Sauna zusammengesetzt hätten, hätten sie erfahren, was eine Sauna braucht, nämlich ganz einfach einen Saunaraum, in dem alle halbe Stunde ein Aufguss mit 90 Grad angeboten wird! Nur ein Beispiel: Diesbezüglicher Aufguss um 17.30 Uhr, der nächste um 20.00 Uhr, also nach mehr als zweieinhalb Stunden. Da ich wie immer die Sauna um 16.00 Uhr betrete habe konnte ich bei einer 4-Stunden-Karte zum Preis von satten 17 Euro für Pensionisten gerade einmal einen richtigen Aufguss genießen.

Bravo, toll geplant. Wer ist dafür verantwortlich, der neue Betriebsleiter Herr Smöch? Wenn ja, sitzt der falsche Mann an dieser Stelle. Wie man hört, fährt über seine Entscheidungen die "Eisenbahn drüber".

Die anderen Aufgussräume sind offensichtlich als Touristenattraktionen geplant, weil sie mit riesigen Panoramafenstern Ausblicke auf Salzburg gestatten. Ich kenne Salzburg, ich will schwitzen, bei 90 Grad, und nicht fernsehen. Auch brauche ich als alter Saunist keinen 70-Grad-Aufguss mit Kräutern. Dafür gibt es in der neuen Sauna keine Personenwaage noch die Möglichkeit zur Mülltrennung.

Toll und angenehm ist sicherlich das große Freibecken, ob mit oder ohne Blick auf die Festung. Bei der Ausführung dieses Beckens muss etwas gewaltig schief gelaufen sein, wenn bereits nach wenigen Tagen die Handläufe vom Rost befallen sind. Übrigens wurde bereits nach einer Woche die Wassertemperatur reduziert, angeblich aus Spargründen. Tolle Kalkulation.

Diese Sauna bedarf radikaler Veränderungen, eine Seele und Atmosphäre wie die alte wird sie nie erhalten.

Wie die Stimmung im neuen Haus aussieht, zeigt die Tatsache, dass bereits nach wenigen Tagen der Pächter der Gastronomie das Handtuch geworfen hat, wie in den SN vom 23. 10. zu lesen war, aus nicht erreichten Umsatzgründen.

Wahrscheinlich auf Grund von falschen Besucherprognosen durch Herrn Smöch. Der Besucherandrang wird auch in Zukunft den neuen Pächter zu Fall bringen. Von den ehem. Stammgästen, mit denen ich Gespräche geführt habe, kommt keiner zurück. Am 15. Oktober und auch am 22. Oktober, ich wollte mir noch ein zweites Bild verschaffen, konnte ich ein erschreckend schwaches Besucherinteresse feststellen.

Ich habe am 16. Oktober ein ausführliches Mail an die Verwaltung des Paracelsus-Bades gerichtet, natürlich bis heute ohne Reaktion. Nein, stimmt nicht, es gab plötzlich ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Eingang".


Klaus Fritsch, 5071 Wals-Siezenheim

Aufgerufen am 18.01.2022 um 01:46 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/paracelsus-sauna-die-riesige-enttaeuschung-78374023

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