Leserbrief

"Passen Sie auf, die Straße ist gefährlich."

Nach dem ganzen Wirbel um die "Sinnlose Haltestellen-Verlegung Birkensiedlung" einigen sich Politik und Salzburg AG also auf das Wording "Kompromiss", um in der Causa nicht ihr Gesicht zu verlieren. Der Bürgermeister ruft zur Ruhe auf und es wird von einigen Menschen gar der moralisierende Zeigefinger ausgepackt, doch bitte als Bürge/-in der Birkensiedlung nun zu akzeptieren, dass weiter gebaut wird. Aber sowohl das Beharren auf der Fortsetzung der Baustelle, als auch die Entschuldigung seitens der Politik, die eingesehen hat, dass es sich hier um eine Fehlentscheidung handelt, rechtfertigt kein "Schwamm drüber"!
Denn wo bitte ist dieser so genannte Kompromiss zu finden? Die Salzburg AG agiert selbstherrlich, indem sie genau eine Variante vorschlägt, die nie überprüft wurde und die jetzt von der Politik durchgezogen werden muss (?), obwohl dank des Aufschreies der Bewohner/-innen wertvolles Steuergeld hätte anders verwendet werden können.
Die Grödiger bekommen eine um 50 Sekunden (!) schnellere Linie (weil der Bus die 200 Meter nicht mehr in die Siedlung fährt) und das Ticket um 1 Euro dazu. In der Birkensiedlung werden dafür durch die neue Wald-Haltestelle an der Landesstraße vor allem die Kinder der Lebensgefahr ausgesetzt! Dazu werden 400.000 Euro verbraten, ohne überhaupt vorher getestet zu haben, ob die neuen Busse die alte Haltestelle nicht weiter benutzen können. Alle Argumente gegen eine Nutzung der Haltestelle Birkensiedlung wurden in den letzten Wochen entkräftet und überzeugten sogar den Gemeinderat!
Auch warum während des derzeit laufenden Testbetriebes die Birkensiedlung gar nicht mehr vorkommt, also die Testbusse die vorhandenen Gegebenheiten gar nicht testen, ist uns schleierhaft. Mögliche minimale Adaptionen rechtfertigen keinen Neubau! Der Wille zu einem Kompromiss ist in keinster Weise zu erkennen.
Obendrein wird die neue Haltestelle ins Landschaftsschutzgebiet gebaut, Bäume wurden gerodet, neue Flächen werden versiegelt -- in Zeiten wie diesen…!?
Und das Chaos, das durch die beiden wechselseitig zu benutzenden Haltestellen entsteht, wird über kurz oder lang wohl dazu führen, dass niemand mehr seine Kinder mit dem Bus losschickt. Die junge Generation lernt also nicht, dass Busfahren attraktiv sein kann. Und die ältere Generation wird es wieder sein lassen. Eine Siedlung (die eh schon keinen Zugang zur Infrastruktur hat und deren Anwohner/-innen deshalb alle fleißige Fußgänger sind) zusätzlich auf diese Art zu beschneiden (weil anvisierte 2000 Busbenutzer aus Grödig "mehr wert" sind als 400 aus der Birkensiedlung), ist menschenverachtend. Dazu das Steuergeld aller Mitbürger/-innen zu verwenden, um eine gefährliche Haltestelle ins Niemandsland zu setzen (wo auch niemand hört, wenn man Hilfe benötigt) und das Ganze dann als "Kompromiss" hin zu drehen, ist zynisch und perfide.
Kleiner Nachsatz: Am Freitag habe ich Fotos von der Baustelle gemacht, als ein Bauarbeiter zu mir kam und sagte: "Passen Sie auf, die Straße ist gefährlich!" Mir kamen die Tränen und ich sagte: "Ich weiß. Und da müssen ab Dezember unsere Kinder drüber…". Der Arbeiter war nahe dran, mich in seine Arme zu nehmen, als er sagte: "Ich verstehe Sie so gut!"

Monika Sigl-Radauer MA, Musik- und Tanzpädagogin/ Musikvermittlung, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 23.01.2022 um 12:43 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/passen-sie-auf-die-strasse-ist-gefaehrlich-77842714

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