Leserbrief

Petition für die Kinder von Moria

Täglich erfahren wir aus den Medien über die humanitäre Katastrophe nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos.

Viele europäische Länder haben sich bereit erklärt, mehrere Hundert notleidende Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Die österreichische Bundesregierung möchte sich diesen humanitären Maßnahmen nicht anschließen. Die Argumentation ist, dass dies Schlepperbanden dazu animieren könnte, weitere Migranten in die Mittelmeerländer der EU einzuschleusen. Diese Argumentation ist aus fachärztlicher Sicht nicht nachvollziehbar, da ja nicht ganze Familien, sondern Kinder und Jugendliche aufgenommen werden sollen.

Österreich steht in der Pflicht, als Mitgliedsstaat Europas seinen Beitrag zu leisten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor Krieg (Art. 38), und auch Kinderflüchtlinge haben das Recht auf besonderen Schutz und Hilfe. Diese Rechte sind Grundrechte wie die Menschenrechte und stehen vor den wirtschaftlichen Interessen jedes Staates.

Im Rahmen eines "Soforthilfepakets" sollen nächste Woche vom Innenministerium 400 Unterkünfte (ausgestattet mit Heizungen, Betten, Decken etc.) für 2000 Personen inklusive Hygienepakete und sonstigen Hilfsgütern für die Betroffenen nach Griechenland geschickt werden.
Das ist aus unserer Sicht sicher hilfreich, aber die Kinder und Jugendlichen benötigen lebenswerte und entwicklungsfördernde Lebensbedingungen, die sie laut bisherigen Erfahrungen in Flüchtlingslagern nicht finden.

Aus Sicht der Fachgruppe der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist es nicht zulässig, an diesen betroffenen Kindern und Jugendlichen Maßnahmen der Abschreckung zu setzen. Wir ersuchen die Salzburger Landesregierung ebenso wie die Bundesregierung in Wien die Bereitschaft zu zeigen, einen kleinen aber menschlich relevanten Beitrag zu leisten und einige Kinder und Jugendliche aus dem Lager bei uns aufzunehmen.

Wir, die Kinder- und Jugendpsychiater/-innen im Bundesland Salzburg, sind gerne bereit, uns in der Betreuung von aufgenommenen Kindern zu engagieren und appellieren an das christlich-soziale Mitgefühl in dieser schweren Situation.

Landesgruppenvorsitzender Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Leonhard Thun-Hohenstein,,

Aufgerufen am 24.11.2020 um 02:00 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/petition-fuer-die-kinder-von-moria-93002287

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