Leserbrief

Pflicht der Politik

Brief an die Gemeinschaft der Franziskaner in Salzburg:

Sehr geschätzte Minderbrüder,

mir reichen langsam die Attacken gegen euch mit pseudoreligiösen Hinweisen auf euren Ordensgründer, weil ihr nichts anderes tut, als euch und die echten Salzburger Bedürftigen vor verbalen und körperlichen Attacken durch ausländische Bettlersippen zu schützen. Nun hat sich die Situation seit den Zeiten des Heiligen Franziskus grundlegend geändert. Es gibt heute ein funktionierendes Sozialsystem, vor allem aber eine EU, die ihren Mitgliedsstaaten je nach Bedarf ebenfalls ausreichend materielle Leistungen zukommen lässt. Die Bettlergruppe, die euch Probleme bereitet und die inzwischen schon ganz Salzburg beherrscht und einheimische Bettler fortprügelt, besteht vorwiegend aus rumänischen Staatsangehörigen. Nun ist Rumänien ein EU-Land, das über einen eigenen Sozialetat verfügt. Es sollte nun der Gerechtigkeit halber die Bevölkerung eines jeden EU-Landes die Freiheit der nationalen Grenzen nicht für Bettelaktionen in andere EU-Länder missbrauchen, sondern im Falle einer echten Bedürftigkeit im eigenen Staatsgebiet um die Hilfe der Mitbevölkerung bitten. Wir schicken unsere eigenen Bettler ja auch nicht nach Italien oder Spanien, helfen ihnen jedoch als Nachbarn, wo Not am Mann ist. Diese Art von Betteln wird und muss es immer geben, da die öffentliche Hand nun mal nicht für alle Fälle einspringen kann. Hier kann man mit Fug und Recht auf tätige Nächstenliebe verweisen. Aber Betteltourismus ist schlicht ungehörig und strapaziert das Mitgefühl jedes Einzelnen über das normale Maß, überhaupt dann, wenn er dazu führt, dass die eigenen Leute dabei an die Wand gedrückt werden. Es sollte allerdings nicht notwendig sein, dass ein kirchlicher Orden dazu gezwungen ist, hier für Recht und Ordnung zu sorgen. Dies wäre wohl eindeutig Angelegenheit und Pflicht der Politik. Die Situation gehörte prinzipiell und auf EU-Ebene ins rechte Lot gebracht und sollte nicht zu Unrecht und noch dazu beleidigend auf einzelne religiöse Institutionen abgeschoben werden.

Univ.-Doz. Dr. Klaus Bolzano, 5020 Salzburg

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