Leserbrief

Plagiatsvorwürfe gegen Frau Aschbacher

Rund um die Plagiatsvorwürfe gegen Frau Aschbacher stellen sich mir Fragen, die ich in der medialen Berichterstattung nicht beantwortet gefunden habe:

1. Warum werden nicht in erster Linie jene Professoren zur Verantwortung gezogen, die mangelhafte Diplomarbeiten durchwinken? Studierende brauchen kritische Rückmeldungen ihrer Diplom- und Dissertationsbetreuer, um über sich hinauswachsen zu können. Wenn diese Betreuer sich nicht die Zeit nehmen, auf Mängel hinzuweisen und Anforderungen klar zu definieren, wie sollen Studierende von sich aus diese Lücken auffüllen und ihre jeweils aktuellen Grenzen überschreiten? Wenn aber von Studierenden erwartet wird, dass sie von sich aus erkennen, wo ihre Schwächen liegen, und sie allein aus sich heraus ihren Horizont erweitern sollen, wozu braucht es dann noch hoch dotierte Professoren?

2. Warum wird nicht vorab geprüft, ob die formalen Voraussetzungen gegeben sind für ein politisches Amt, wenn es in Österreich - leider - nicht in erster Linie um praktische Kompetenzen geht, sondern der "Schein" wichtiger ist als die Persönlichkeit?

3. Warum konzentrieren sich Medien voyeuristisch und schadenfroh auf Mängel, die bloß mit diesem "Schein" zu tun haben, ohne die Gesamtperson und die Gesamtleistung der betreffenden Person mit in die Bewertung zu nehmen? In meinen Augen war Frau Aschbacher eine wohltuende Erscheinung im "Haifischbecken" der Politik, in dem meinem Gefühl nach das Motto "Fressen oder Gefressen werden" herrscht. Sie hat in keinem Moment andere Meinungen entwertet oder herabgewürdigt. Auch wenn sie sich als Quereinsteigerin erst Medienerfahrung erarbeiten musste, waren ihre inhaltlichen Aussagen und Handlungsansätze sehr wohl beachtenswert.

4. Es mögen ja die Absichten unseres "Plagiatsjägers" im Hinblick auf unanfechtbares wissenschaftliches Arbeiten absolut angebracht und ehrenwert sein. Doch die Art und Weise dieser entwürdigenden Bloßstellungen in den Medien führt nur dazu, dass engagierte junge Menschen sich immer weniger in die Politik wagen, sodass die politische Bühne sich immer mehr für selbstverliebte und/oder machtverliebte Persönlichkeiten öffnet, denen es vorrangig um ihre Selbstdarstellung auf der politischen Bühne und nicht mehr um Inhalte geht.

Mag. Sigrid Thurnhofer, 1080 Wien

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