Leserbrief

Politische Logik

Zu "Problemwolf wird zum Abschuss freigegeben" (SN-Lokalteil vom 22. 7.):

Man wartet auf das Problem (Wolf), trifft keinerlei Vorbereitungen, obwohl die Entwicklung klar absehbar ist.

Man setzt eine willkürliche Grenze für den Schadenseintritt (Anzahl gerissener Nutztiere).

Man identifiziert das Problem (Wolf) mit modernster forensischer Technik (genetischer Fingerprint).

Man findet eine juristische Lösung für das Problem (Wolf).

Man berät die Betroffenen im Nachhinein über mögliche (und in Nachbarländern erfolgreich angewandte) Schutzmaßnahmen zur Verhinderung des Problems (Wolf).

Man erschießt das Problem (Wolf), Identifizierung diesmal durch traditionelle Methode der jagdlichen "Ansprache" und wartet auf das nächste Problem (Wolf).

Und das alles, wo doch der Herdenschutz seit 2005 im § 19 des Tierschutzgesetzes als Verpflichtung für den Tierhalter normiert ist. Niemand behauptet, dass Herdenschutz im alpinen Gelände einfach wäre, aber er ist möglich und die einzige Möglichkeit, das "Problem" der durchziehenden oder wieder ansiedelnden Wölfe langfristig zu lösen. Deshalb entbehrt der erzielte politische Kompromiss jeglicher Logik, von einem Erfolg für die Grünen ganz zu schweigen.
Dr Erik Schmid
6840 Götzis

Aufgerufen am 19.10.2021 um 02:40 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/politische-logik-107237662

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