Leserbrief

Raiffeisenbank will Auskunft über rassische Herkunft

Zum Artikel "Banken sammeln Daten bis ins Detail" (SN vom 23. 1. 19):

Der Titel "Einwilligungserklärung Datenschutz..." widerspricht dem Text des Vordruckes diametral. Der Bank geht es eben gerade nicht um den Schutz der personalisierten Daten ihrer Kunden, sondern es geht ihr darum, alle diskreten Daten sammeln, auswerten, analysieren und nach Belieben weiterleiten zu dürfen, was für deren Missbrauch geradezu Voraussetzung ist.

Der vorgelegte Vordruck ist für den Laien ohne kostspielige Hilfe eines Rechtsanwaltes in seinen vielfältigen Auswirkungen weder zu verstehen noch zu bewältigen. Die Bank setzt sich solcherart jedem arglosen Kunden gegenüber autonom in einer vom Gesetzgeber grundsätzlich als fair intendierten Geschäftsbeziehung zweier Partner in die Position des stärkeren Partners.

Die Ausrede, die etwas überschießend geratene Datenschutzgrundverordnung würde die Einwilligung des Kunden zum umfassendem Daten-Striptease eben verlangen, zieht gerade im Raiffeisensektor nicht. Sind doch seine Vertreter seit Generationen in Parlament und Regierung überreichlich vertreten. Sie hätten legistische Auswüchse leicht verhindern können, haben es aber nicht getan.

Die Gefahr, dass sich die Bank in ihrem neuen Betätigungsfeld als Datenhändler (fernab ihres in den Statuten festgeschriebenen Geschäftszwecks) bald in Auseinandersetzungen mit Kunden verwickeln und vor dem Obersten Gerichtshof landen wird, ist offenkundig. Dagegen hilft aber die Unterschrift eines arglosen Kunden auf einem sittenwidrigen Vordruck auch nicht.

Die Bank wird allerdings mit dieser Vorgangsweise aus eigenem Antrieb pfeilgerade dorthin gelangen, wohin Banken nach herrschender Lehre eben nicht kommen sollen: ins Gerede. Im Zeitalter des Shitstorms ein kühnes Unterfangen.

Christoph Canaval, 5102 Anthering

Aufgerufen am 27.09.2020 um 03:47 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/raiffeisenbank-will-auskunft-ueber-rassische-herkunft-64674589

Schlagzeilen