Leserbrief

Rasant ansteigende Egozentrik im Miteinander

Ich meine die rasant ansteigende Egozentrik, die unser Zusammenleben immer mehr vergiftet. Liest man jeden Tag in der Zeitung, mit welcher Präpotenz z. B. Wintersportler ihren Rettern begegnen oder wie oft andere Leserbriefschreiber Erlebnisse mit anderen Menschen schildern, die ihr Ego hemmungslos überall meinen ausleben zu müssen, macht man sich schon Sorgen um ein friktionsfreies Zusammenleben auch weiterhin.
Kürzlich erst wurde in einem Kommentar das Verhalten einer Menge Verkehrsteilnehmer beklagt. Ich fahre im Gegensatz zu früher nicht mehr sehr viel mit dem Auto. Nicht zuletzt, weil ich mich angesichts anderer, die sich auf unseren Straßen bewegen nicht mehr wirklich wohl fühle. Das beginnt beim Telefonieren ohne Freisprechanlage. Bei völliger Unkenntnis der Verkehrsregeln in einem Kreisverkehr (nach rechts Blinken beim Verlassen gibt es so gut wie nicht mehr, wäre aber für die anderen Straßenbenützer/-innen äußerst hilfreich). Bei kaputtem Licht des KFZ's bzw. der konsequenten Nichtverwendung einer Beleuchtung oder Klingel beim Radlfahren, ebenso wie dem Ignorieren von Radwegen, aber dafür der Benützung der Gehsteige und endet leider noch lange nicht dabei, dass Ampeln für manche höchstens eine Empfehlung und kirschgrün eine Farbe ist, die als Verkehrszeichen immer beliebter wird. Sogar auf Gehsteigen weichen nebeneinander wandelnde Egomanen nicht mehr entgegenkommenden Passanten. Da muss man sich schon als Entgegenkommender in ein Eckerl drücken, damit man nicht kräftig angerempelt wird.
Aber auch die Hundebesitzer/-innen, die allen anderen Hundefreund/-innen einen schlechten Ruf einbringen, weil sie weder Leinenpflicht noch Hundekotentsorgung kennen, fallen mir da ein. Wehe aber, wenn man es wagt, Ertappte darauf anzusprechen. So etwas traue ich mich gar nicht mehr. Nicht zuletzt, weil die Gewaltbereitschaft bei "Konfliktlösungen" exorbitant zunimmt.
Oder so manche Verkäufer/-innen, denen das Telefonat, das sie in aller Ruhe grad führen, weit wichtiger ist als die Kundschaft.
Oder die, die in einem voll besetzten Bus auch dann nicht ihren Platz anbieten, wenn wirklich alte oder gar gebrechliche Menschen daneben stehen müssen.
Ich könnte diese Aufzählung beliebig fortsetzen, was allerdings leider eh nichts nützt.
Vielleicht wäre es möglich, den Schülerinnen und Schülern gutes Benehmen im Ethikunterricht näher zu bringen, wenn es denn von zu Hause nicht mitgegeben wird und ihnen vor allem eine goldene Regel zu lernen: Jede Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit anderer beschneidet. Und nebenbei: Arbeitsplätze bekommt man mit gutem Benehmen bei einem Bewerbungsgespräch mit Sicherheit leichter.


Komm.Rat Walter Braun, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 05.12.2020 um 09:56 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/rasant-ansteigende-egozentrik-im-miteinander-65045995

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