Leserbrief

Reaktion auf den Leserbrief "Die wahre Tragödie der Landwirtschaft"

Reaktion auf den Leserbrief "Die wahre Tragödie der Landwirtschaft" von Dr. Winfried Herbst, Vorsitzender des Naturschutzbundes Salzburg:

"Naturschutz mit Hausverstand" statt Polemik gegen Bauern!
Der Vorsitzende des Salzburger Naturschutzbundes Dr. Winfried Herbst äußert sich in polemischer Weise über die miserable Interessenspolitik der Bauern. Seine Polemik möchte ich jedoch als Lob für die umsichtige Arbeit der bäuerlichen Interessensvertretung werten. Während die Landwirtschaft in Österreich, speziell in Salzburg, europaweit Vorbildwirkung hat, vermittelt Dr. Herbst ein Bild, als würden immer weniger Bauern, stinkende Kloaken produzieren und rücksichtslos die Kulturlandschaft plündern. Es ist natürlich schade, wenn ein Bauer das Hoftor für immer schließt. Aber es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, die Bauern unter einen Glassturz zu stellen. Dennoch irrt Dr. Herbst auch hier. Salzburg ist jenes Bundesland mit dem geringsten Strukturwandel.
Tatsache ist, dass Salzburgs Bauernfamilien jahraus jahrein an sieben Tagen in der Woche Lebensmittel von hervorragender Qualität produzieren. Sie produzieren so nachhaltig und umweltschonend, dass auch die Trinkwasserqualität hervorragend ist. Zur natürlichen Kreislaufwirtschaft gehört auch, dass Jauche, Stallmist und Gülle wieder als Dünger auf die Wiesen und Äcker ausgebracht werden. Oder sollen diese in Siggerwiesen entsorgt und stattdessen Handelsdünger eingesetzt werden, Herr Dr. Herbst?
64 % des Grünlandes in Salzburg werden extensiv bewirtschaftet, mehr als 50 % sind Bio-Betriebe, 93 % beteiligen sich am Österreichischen Umweltprogramm. Wir legen aber auch Wert auf eine standortangepasste Produktion. In Regionen mit einer besseren Bodenbonität ist es natürlich und entspricht der guten fachlichen Praxis, dass die Wiesen mehr als dreimal gemäht werden.
Dank der Initiativen der bäuerlichen Interessensvertretung ist man bemüht, dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Neben Biodiversitätsflächen sind es mittlerweile viele bäuerliche Betriebe, die freiwillig auf extensiven Flächen Blumenwiesen anlegen, um Nahrung für Insekten und Bienen zu schaffen.
Der Wolf hat im dicht besiedelten Alpenraum nicht den geeigneten Lebensraum. Die Zunahme der Wolfspopulation gefährdet in mittelbarer Zukunft die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft und damit auch ein touristisches Standbein. Natürlich setzen wir uns dafür ein, dass der Wolf bejagt werden darf. Der Wolf gilt mittlerweile nicht mehr als gefährdete Tierart.
Bauern nützen die Natur - Bauern schützen die Natur. Wir setzen daher auf "Naturschutz mit Hausverstand". Eine Vorgangsweise über die Köpfe der Grundeigentümer, ähnlich dem seinerzeitigen DDR-Regime, wie dies vermutlich ihrer ideologischen Grundhaltung entspricht, lehnen wir ab. Es wäre angebracht, dass sich der Naturschutzbund um andere Verursacher für das Artensterben kümmert und sich vom Klassenkampf gegenüber den Bauern verabschiedet.

Ing. Josef Bachleitner, Direktor des Salzburger Bauernbundes, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 19.11.2019 um 12:44 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/reaktion-auf-den-leserbrief-die-wahre-tragoedie-der-landwirtschaft-70896121

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