Leserbrief

Recht und Unrecht

Ich bin Theologe, kein Jurist. Aber ich weiß, dass man unter einem "Gesetz" materiell jede Rechtsnorm versteht, welche menschliches Verhalten regelt. In diesem Sinn haben Kapitänin Rackete und die Sea-Watch gegen kein Gesetz verstoßen. Denn verzweifelte Männer, Frauen und Kinder im Mittelmeer ertrinken zu lassen, hat mit menschlichem Verhalten nichts zu tun. Das ist zutiefst unmenschlich.
Was im Politjargon "Schließung der Mittelmeerroute" heißt, meint in Wirklichkeit hunderte Menschen, die wir bewusst und sehenden Auges dem Tod preisgeben. Meine Hochachtung gilt allen, die sich dagegen zur Wehr setzen. Kapitänin Rackete hat vielleicht italienisches Recht gebrochen. Und trotzdem hat sie Recht. Leider ist es nicht möglich, dass die verantwortlichen Politiker allen 18.470 Ertrunkenen der letzten fünf Jahre in die Augen sehen. Vielleicht würden sie dann ihre Meinung ändern.

Pfarrer Mag. Dr. Robert Jonischkeit, 6330 Kufstein

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