Leserbrief

"Regional" ist in Zeiten von Klimawandel noch zu wenig

Als begeisterte SN-Leserin sind mir zwei Artikel der letzten Zeit besonders in Erinnerung geblieben, die auf den ersten Blick nichts gemein zu haben scheinen, auf den zweiten aber leider schon. Ich denke, es geht um etwas, über das wir alle, denen die Region am Herzen liegt, uns Gedanken machen sollten, deshalb schreibe ich diesen Leserbrief.
Der erste Artikel erwähnt ein neues Hotel in der Stadt, welches mit atemberaubendem Rundumblick auf Salzburg die Touristen anlocken wird. Der zweite Artikel erzählt, dass sich Salzburger Landwirte für ein neues Branding zusammengeschlossen haben, "Regionalität" soll ihre Produkte auszeichnen und für den Kunden interessant machen.
Was haben diese zwei vielversprechenden Projekte gemein? Beide werden als "neu" beworben, hinter beiden hat viel Arbeit gesteckt und beide sollen die Wirtschaft im schönen Salzburg ankurbeln.
Doch bei beiden fehlt mir in Zeiten von Klimawandel und Co. der Weitblick, genauer gesagt der bessere Umgang mit dem Standort, von dem beide Projekte definitiv leben.
Warum nicht endlich einmal auch Geld bei einem Hotelbau ausgeben, um zum Beispiel die Toilettenspülung mit Regenwasser zu betreiben, anstatt weiterhin Trinkwasser (!) im Klo runter zu spülen? Damit lässt sich auch werben!
Und warum nicht endlich auf Glyphosat und andere Pflanzenschutzmittel verzichten, und kompromisslos auf "bio" umstellen, anstatt allein mit Regionalität zu werben? Damit lässt sich noch besser werben!
Ich weiß, hinter beiden Projekten steckte eine Menge Arbeit und Hut ab vor den Betreibern, aber hier ist noch zu wenig passiert. Beide profitieren von einer Region, der sie zu wenig zurückgeben in Form von Nachhaltigkeit.
Mir fehlt das wirklich "Neue", denn die Zeit drängt. Salzburger und generell wir kleiner Wirtschaftsstandort Österreich sollten mutigere und nachhaltigere Schritte in die Zukunft gehen.
Damit auch noch unsere Kinder und Kindeskinder von der Region leben können, müssen wir anfangen, mehr auf sie zu achten. Das gilt wohl für alle von uns.


Mag. Gajda Kerstin, 8043 Graz

Aufgerufen am 22.05.2022 um 07:31 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/regional-ist-in-zeiten-von-klimawandel-noch-zu-wenig-71315434

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