Leserbrief

Retten wir die Rückzugsräume

Obwohl wir täglich über den alarmierenden Rückgang unserer Tier- und Pflanzenwelt und den dramatischen Verlust von Grund und Boden informiert werden, ignorieren Politik und Wirtschaft und fast jede/r Einzelne diese Tatsache und es gilt das alte Motto: "Macht euch die Erde untertan!"
In sehr vielen Vororten von Salzburg werden derzeit kleinere und größere Gärten mit ihren alten, gewachsenen Strukturen, samt Buschwerk, Hecken, Bäumen und vielleicht sogar
noch Biotopen, unwiederbringlich zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Ist es denn
keinem bewusst, dass das die letzten Rückzugsorte der noch vorhandenen Insekten, Amphibien, Vögel, Eichhörnchen u. a. sind? Auf diesen Grundstücken entstehen meist überdimensionale Schuhschachteln mit ein paar Alibibäumen, um der Baumschutzordnung Genüge zu tun. Diese armseligen, bedauernswerten Gewächse werden in viel zu wenig Erdreich, oft über Tiefgaragen gepflanzt. Sie dienen keinem Lebewesen wirklich als Rückzugsort, spenden keinen Schatten in der immer größer werdenden Hitze und können auch den Grundwasserspiegel nicht halten. Warum setzt sich niemand für sanftes Bauen ein, bei dem alte Bäume, Biotope und Hecken erhalten werden müssen? Blühflächen, wie sie von der Stadt jetzt gefordert werden, sind sehr zu begrüßen, aber niemals ein Ersatz für Hecken, alte Bäume u. Ä.
Dass auch die Kirche ihrem Auftrag zum Erhalt der Schöpfung nicht nachkommt, zeigt der Bericht der SN vom 21. 3., in dem von der Verbauung des alten Borromäumparks mit
Wohnungen berichtet wird. Der Finanzkammerdirektor Cornelius Inama betont, dass die Fichten entlang der Gaisbergstraße fallen würden. Ist diesem Herrn nicht klar, dass gerade diese Fichten einen hervorragenden Schutz gegen den Verkehrslärm, Abgase, Feinstaub und Hitze bieten und zusätzlich ganzjährig Sauerstoff produzieren?
Wann werden endlich die vielen leer stehenden Wohnungen vermietet? Laut Schätzungen des SIR sind es zirka 4500. Und hier appelliere ich an jede/n, die/der eine leer stehende Wohnung besitzt. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir nur an uns selbst denken und die Ressourcen für uns horten konnten. Es ist bald keine Natur mehr da in der Stadt! Hinausfahren aufs Land und dort alles ruinieren ist auch keine Lösung.
Unsere Kinder gehen endlich auf die Straße, um aufzuzeigen, dass wir sie, dank unseres verschwenderischen und kurzsichtigen Lebenswandels, um ihr Erbe betrügen. Nämlich um
das Überleben auf einem Planeten, den wir nur geborgt haben.

Cornelia Widerin-Rößler, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 01.12.2020 um 12:48 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/retten-wir-die-rueckzugsraeume-68132326

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