Leserbrief

Rotstift trifft die Schwächsten

Zu "Lernhilfe für Hunderte Schüler auf der Kippe" in den SN vom 4. 3. 19:
Wo bleibt in unserem christlichen Abendland der Humanismus, auf den wir so stolz sind? Es ist unfassbar, dass gerade bei Kindern, die ohnedies die schwächsten Mitglieder in der Gesellschaft sind, und noch dazu bei jenen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen und mit ihren Familien noch am Rande stehen, der Rotstift des Außenministeriums für die Lernhilfe massiv angesetzt wird.
Wie sollen sich Kinder integrieren, wenn sie sprachlich und allgemein schulisch mit den anderen nicht mithalten können? Wie sollen sie über ihre oft traumatischen Erfahrungen hinwegkommen, wenn sie in unserer Gesellschaft nicht einmal als förderwürdig angesehen werden?
Gerade diese Kinder benötigen unseren vollen Einsatz, unsere volle Zuwendung und Stütze, um sich angenommen fühlen zu können. Dabei spielen für das Selbstwertgefühl gerade auch die schulischen Leistungen und Erfolge eine bedeutende Rolle, auch für die Position in der Klassengemeinschaft. Insbesondere Kinder, die in anderen Kulturen und mit anderen Sprachen aufgewachsen sind und zudem oft bitterste Erfahrungen verarbeiten müssen, benötigen unsere Hilfe.
Die in den SN angeführte Begründung des Außenministeriums, dass unter Umständen auch Kinder in den Genuss der Lernhilfe kommen könnten, die noch im laufenden Asylverfahren stehen, ist nicht nachvollziehbar. Das Asylverfahren könnte sehr wohl auch positiv ausgehen und wertvolle Zeit bliebe ungenützt. Die in diesem Fall wirklich nicht nachvollziehbaren Richtlinien der Integrationsförderung sollten dringend überdacht werden.

Dr. Marie-Luise Zuzan, Katholischer Familienverband Salzburg, 5020 Salzburg

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