Leserbrief

Rückzugsgefecht des Bundesheers

Die Vorstellung, dass sich eine unfallchirurgische Abteilung nicht auf die Versorgung von Schwerstverletzten vorbereitet, sondern nur auf die Behandlung der häufigeren Leichtverletzten, hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Noch viel unangenehmer ist die Vorstellung einer völlig unvorbereiteten und unausgerüsteten Armee, wenn diese gebraucht wird. Denn wird sie gebraucht, gibt es keine Alternativen (wie ein anderes Krankenhaus oder ein anderes Geschäft) und keine nennenswerte Vorlaufzeit. Wie schnell globale Veränderungen ohne Vorwarnzeit auftreten und auch Österreich direkt betreffen, zeigen zahlreiche Beispiele (Covid-19-Pandemie, Migrationskrise, syrischer Bürgerkrieg, "arabischer Frühling", Balkankriege, Fall des Eisernen Vorhangs). Wäre die Armee aber auf den unwahrscheinlichen Fall des bewaffneten Kampfs, der hoffentlich noch sehr lange nicht kommen wird, ausgerichtet, könnte diese Armee alle übrigen, weniger intensiven, aber wahrscheinlicheren Einsatzszenarien (sicherheitspolizeilicher Assistenzeinsatz, Katastropheneinsatz ...) leicht beherrschen. Wer beispielsweise gelernt hat, unter Feinddruck eine Brücke über einen Fluss zu bauen, kann dies ohne Feinddruck mühelos. Ebenso kann ein Unfallchirurg, der gelernt hat, Schwerst- und Mehrfachverletzte zu behandeln, mit Leichtigkeit Leichtverletzte versorgen. Welcher Gewinn (politisch, finanziell, gesellschaftlich) durch das Zerschlagen des Bundesheers mit seinem ohnehin mickrigen Wehrbudget (0,58 Prozent des BIPs, Platz 141 von 156 Ländern weltweit) winken soll, bleibt in Anbetracht der dauerhaften Folgen rätselhaft.
OA Dr. Lukas Kriechbaumer5020 Salzburg

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